Beschreibung
Das Stativ des großen Geräts besteht aus drei mahagonifurnierten, nach oben zulaufenden Balken, die unten durch ein halbrund eingezogenes Gestell zusammengefasst werden. Drei stählerne Walzen in Messingfassung ermöglichen ein bequemes Verschieben und Verstellen des Geräts. Eine starke, geschweifte Messingsäule mit Ausgleichsgewichten trägt horizontal drehbar den Tubus aus rundem Mahagoniholz. Horizontal- und Vertikalbewegung sind mit Mikrometerschrauben einzustellen. Ein mit Nussbaumholz furnierter, großer Kasten enthält die verschiedenen zugehörigen Okulare mit Werkzeugen, die zum Zerlegen des Gestells dienen. Die Objektivlinse ist verloren gegangen, genauso wie das ursprünglich auf dem hinteren Ende in der Nähe der Okulare befindliche (vermutlich Kepler'sche) Sucherfernrohr.
Das Instrument erlitt im Zweiten Weltkrieg bei einem der Bombenangriffe, die auch das Germanische Nationalmuseum trafen, schwere Beschädigungen, konnte aber in seinen wesentlichen Teilen restauriert werden. Über die ursprüngliche Verwendung ist nach der derzeitigen Archivalienlage nichts Genaues auszusagen. Die Stadt Nürnberg, aus deren Besitz das Fernrohr stammt, besaß zum Zeitpunkt seiner Herstellung keine Sternwarte. So wäre nur an die Herkunft aus ursprünglichem Privatbesitz oder aber aus der Sammlung des alten Gymnasiums (heutiges Melanchthon-Gymnasium) zu denken.
Das eindrucksvolle Gerät stammt aus der letzten Schaffensphase Joseph Fraunhofers, in der er seine bedeutendsten Geräte schuf. Die optische Werkstatt war 1819 aus Benediktbeuern nach München zurückverlegt worden, woraus sich die zeitliche Bestimmung des Geräts ergibt. Mit Fernrohren dieser Qualität konnten für die Zeit relativ gute Beobachtungen unternommen werden. Die offenbar schon lange zurückliegende Entnahme des Sucherfernrohres sowie der Objektivlinse lassen darauf schließen, dass das Gerät - wie dies in Sternwarten oder Beobachtungspositionen üblich gewesen ist - nach Außerdienststellung seiner wichtigen, eventuell anderweitig verwertbaren Teile beraubt worden ist. (Focus Behaim Globus, Bd. 2, Kat.-Nr. 1.123)