Titel
Der Fischzug Petri, Votivbild Georg Hörmann und Barbara Reihing
Allgemeine Bezeichnung
Gemälde, Votivbild
Inventarnummer
Gm554
Sammlung
Gemälde bis 1800
Herstellungsort
Allgäu;
Herstellungsdatum
um 1530
Maße
H. 88,3 cm; B. 162,1 cm; mit Rahmen: H. 94,9 cm; B. 169,9 cm
Material und Technik
Malerei auf Fichtenholz (Picea sp.)
Beschreibung
Die Jünger Christi sind auf dem See Genezareth zum Fischfang hinausgefahren, aber ohne Erfolg. Christus, der am Ufer steht und von ihnen nicht erkannt wird, fordert sie auf, das Netz zur Rechten des Schiffes auszuwerfen. Nun können sie es wegen der Menge der Fische kaum herausziehen. Johannes erkennt Christus als den Auferstandenen. Petrus schwimmt zu ihm ans Ufer. Dort liegen bereits Kohlen mit Fischen darauf und Brot. Christus lädt zum Mahl ein. Im Hintergrund die Jünger, die Fische auf einem Rost braten, beim Mahl. Unten links der Stifter Georg Hörmann mit seinen sieben Söhnen und seinem Wappen, rechts seine Ehefrau mit ihrem Wappen.
Literatur
Essenwein, August von: Katalog der im germanischen Museum befindlichen Gemälde. Nürnberg 1882, Nr. 454; Link zur Bibliothek
Essenwein, August von: Katalog der im germanischen Museum befindlichen Gemälde. Nürnberg 1885, Nr. 462; Link zur Bibliothek
Essenwein, August von: Katalog der im germanischen Museum befindlichen Gemälde. Nürnberg 1893, Nr. 496. Link zur Bibliothek
Braune, Heinz: Katalog der Gemäldesammlung des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg. Nürnberg 1909, Nr. 554. Link zur Bibliothek
Lutze, Eberhard/ Wiegand, Eberhard: Kataloge des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg: Die Gemälde des 13. bis 16. Jahrhunderts. Text- und Bildband. Leipzig 1937, S. 172, Abb. 178.
Zink, Fritz: Die Passions-Landschaft in der Oberdeutschen Malerei und Graphik des 15. und 16. Jahrhunderts (=Würzburger Studien zur Kunstgeschichte, Bd. 1). Phil.Diss. München 1941, S. 54. Link zur Bibliothek
Augsburger Renaissance. Bearb. von Norbert Lieb, Hannelore Müller und Gunther Thiem. Ausst. Schaezler-Palais Augsburg, Kat.Nr. 620.
Schiller, Gertrud: Ikonographie der christlichen Kunst. Bd. 3. Gütersloh 1986, S. 117, Abb. 382. Link zur Bibliothek
Löcher, Kurt: Germanisches Nationalmuseum: Die Gemälde des 16. Jahrhunderts. Stuttgart 1997, S. 17--19.
Kurt Löcher, 1998: ALLGÄU, um 1530 -- -- Votivbild des Jörg Hermann und seiner Ehefrau Barbara Reihing -- -- Der Fischzug Petri. Christus mit der Kreuzfahne des Auferstandenen empfängt am Ufer des Sees Genezareth Petrus, der auf dem Wasser auf ihn zu geht. Im Mittelgrund in einem Kahn (Nachen?) die mit Netzen fischenden Jünger. In dem bergigen Hintergrund die Jünger beim Mahl. Unten links der Stifter Jörg Hermann mit seinen sieben Söhnen und seinem Wappen, rechts seine Ehefrau mit ihrem Wappen. -- -- Tannenholz, 88 x 1625 cm. Rückseite unbearbeitet. Im 17. Jahrh. übergangen -- -- Gm 554. Erworben vor 1882. Wahrscheinlich aus Kaufbeuren stammend. -- -- Das Thema ist dem Neuen Testament, Johannes 20,4-14, entnommen: Da es aber jetzt Morgen war, stand Jesus am Ufer; aber die Jünger wußten nicht, daß es Jesus war. Spricht Jesus zu ihnen: Kinder, habt ihr nichts zu essen? Sie antworteten ihm: Nein. Er aber sprach zu ihnen: Werfet das Netz zur Rechten des Schiffs, so werdet ihr finden. Da warfen sie, und konnten's nicht mehr ziehen vor der Menge der Fische. Da spricht der Jünger, welchen Jesus liebhatte, zu Petrus: Es ist der Herr! Da Simon Petrus hörte, daß es der Herr war, gürtete er das Hemd um sich (denn er war nackt) und warf sich ins Meer. Die anderen Jünger aber kamen auf(?) dem Schiff (denn sie waren nicht ferne vom Lande, sondern bei zweihundert Ellen) und zogen das Netz mit dem Fischen. Als sie nun austraten auf das Land, sahen sie Kohlen gelegt und Fische darauf und Brot. Spricht Jesus zu ihnen: Bringet her von den Fischen, die ihr jetzt gefangen habt! Simon Petrus stieg hinein und zog das Netz auf das Land voll großer Fische, hundertunddreiundfünfzig. Und wiewohl ihrer so viel waren, zerriß doch das Netz nicht. Spricht Jesus zu ihnen: Kommt und haltet das Mahl! Niemand aber unter den Jüngern wagte, ihn zu fragen: Wer bist du? denn sie wußten, daß es der Herr war. Da kommt Jesus und nimmt das Brot und gibt's ihnen, desgleichen auch die Fische. Das ist nun das drittemal, daß Jesus offenbart ward seinen Jüngern, nachdem er von den Toten auferstanden war. Daß es sich bei der gemalten Darstellung um ein Ereignis zwischen der Auferstehung Christi und seiner Himmelfahrt handelt, zeigt die Kreuzfahne, die den Sieger über Tod und Teufel ausweist, der die Vertreter des Alten Bundes der Vorhölle entrissen hat. Konrad Witz hatte das Thema des Fischzuges Petri in dem großen Bild des Petrusaltars für Genf 1444 beispielhaft behandelt. Dort schwimmt Petrus, in Übereinstimmung mit dem biblischen Bericht, ans Ufer. Der Maler von Gm 554 brachte eine Variante ein: Petrus schwimmt nicht auf Christus zu, sondern er geht auf dem Wasser. In Matthäus 14,29-31, heißt es:Und er (Christus) sprach: Komm her! Und Petrus trat aus dem Schiff und ging auf dem Wasser, daß er zu Jesus käme. Er sah aber einen starken Wind; da erschrak er und hob an zu sinken, schrie und sprach: Herr, hilf mir! Jesus aber reckte alsbald die Hand und ergriff ihn und sprach zu ihm: O du Kleingläubiger, warum zweifeltest du? Der Maler brachte Textstellen zweier Evangelien, von denen sich eine auf ein Ereignis vor der Passion, die andere auf ein Ereignis nach der Auferstehung bezieht, in einem Bild zusammen. Ob er diese Version nach eigenem Ermessen, im Auftrag oder aufgrund verunklärender Bildüberlieferungen wählte, läßt sich nicht sagen. Der Fischzug Petri findet sich gewöhnlich im Zusammenhang der Lebensgeschichte des Apostels auf bilderreichen Altarwerken, so bei Hans von Kulmbach (Florenz, Uffizien). Das Mahl der Jünger, wie es Gm 554 zeigt, ist nach Schiller vergleichsweise selten dargestellt worden. Die von oben gesehene Gebirgs- und Seelandschaft trägt den Charakter des Panoramas. Nach Zink erscheint das Motiv der Mühle hier sehr früh in der oberdeutschen Malerei "und steht offenbar in diesen Passionsszenerien mit religiös-mystischen Vorstellungen von Hostien- und Gottesmühlen in Zusammenhang". Der Auftraggeber Jörg Hermann (1491-1552) gehörte einem alteingesessenen Kaufbeurer Geschlecht an. Von 1519 bis 1550 stand er im Dienst der Fuggerschen Handelsgesellschaft, seit 1522 als Faktor der Bergwerke in Schwaz/Tirol. Sei 1512(?) war er verheiratet mit Barbara Reihing aus Augsburg. 1528 wurde Hermann in den erblichen Reichsadelstand erhoben und nannte sich seither Hermann von und zu Gutenberg... trat er zur evangelisch-lutherischen (?) Konfession über. Christoph Amberger porträtierte ihn in einem Gemälde 1530 (Stuttgart, Staatsgalerie). Das Votivbild Gm 554 zeigt Jörg Hermann, seine Ehefrau Barbara Reihing und die sieben Söhne des Paares, das sind Hans Georg ( - ), Christoph (1514 - 1586), Ludwig (1516 -), Bernhard (1518 - ), Matthäus ( - 9 und Anton (-). F.v.Reber und A.Bayersdorfer in Kat. 1882(?) bestimmten das Wappen als das der Familie Hörmann und ordneten das Votivbild als "Schwäbische Schule, um 1550" ein, Lutze und Wiegand datierten um 1530. Da der Stifter Jörg Hermann in Kaufbeuren zuhause war, liegt es nahe, den Maler des Votivbildes im Allgäu zu suchen. -- -- Zur Person Jörg Hermanns: Theodor Hampe: Allgäuer Studien zur Kunst und Kultur der Renaissance. Nürnberg 1918, S.12 - 41; Lieb 1958, S. 81 - 84, 368 - 373.