Beschreibung
Bez: W in Unterglasurblau
Preßmarken: 2/109/6
Formstück: Teller mit sechspassig geschweiftem Rand. Auf der Fahne drei unterschiedliche Formen von reliefierten Gittermustern. Dazwischen ausgespart drei große Reserven, von Rocaillen gerahmt.
Der Teller zeigt im Spiegel in Purpur aufgemalt das Wappen des Gustav Adolf Graf von Gotter (1692-1762) unter einer Grafenkrone und mit der Kette des Schwarzen-Adler-Ordens. Darüber sitzt ein Adler mit ausgebreiteten Schwingen. Unter dem Wappen ist ein Schriftband angeordnet mit der Devise „DONA PRAESENTIS RAPE LAETUS HORAE“ (Horaz, Carmina, Liber III, 8- 27/28). In einer Öse ###############hängt wie ein Blütenkelch das preußische Posthorn als Hinweis auf die Ernennung Gotters zum Preußischen Generalpostmeister im Jahre 1753. In den glattbelassenen Reserven auf der Fahne sind Kauffahrteiszenen aufgemalt. Der Fahnenrand ist goldgefasst.
Der aus bürgerlichen Gothaer Kreisen stammende Gustav Adolf Gotter trat 1728 in den Dienst Friedrich Wilhelm I. Auch dessen Nachfolger König Friedrich II. schätzte ihn wegen seiner Verhandlungsgeschicke. Ende November 1753 war Gotter zum preußischen Generalpostmeister ernannt worden. Adelsstanderhebung ??
Wohl zu diesem Anlass scheint der Graf sich in der Königlichen Porzellanmanufaktur Berlin eine Serie von Tellern mit seinem Wappen und einer auf Horaz zurückgehenden Devise, die korrekt „dona praesentis cape laetus horae“ lauten müsste, bestellt zu haben. Die Devise steht in Zusammenhang mit der Aufnahme Gotters in den „Ordre des hermites de bonne humeur“ im Jahre 1743. Der Orden war von Herzog Friedrich III. und Herzogin Luisa-Dorothea von Sachsen-Gotha 1739 gegründet worden und verpflichtete seine Mitglieder dazu, schlechte Laune und Kummer aus ihren Seelen zu verbannen. Die Devise „Vive La Joye“ bildete auch gleichzeitig die Grußformel der Mitglieder, zu denen seit 1743 auch Graf Gotter mit dem Ordensnamen „Tourbillon“ (Wirbelwind) gehörte. Das Ordenswappen zeigt ein Füllhorn mit Früchten umgeben von Freundschaftsknoten. 1749 hatte der Orden bereits 71 Mitglieder. Diese trafen sich häufig auf Schloß Molsdorf (Thüringen), das Gotter 1734 als Alters- und Ruhesitz erworben hatte.
Zick nimmt daher an, dass die Entstehung der Teller mit Gotter-Wappen nicht vor 1754 zu datieren ist. Die erhaltenen, mit verschiedenen Devisen versehenen Teller sind in ihrer Malerei unterschiedlich ausgeführt. Einige Exemplare sind nur in Purpur, andere zusätzlich in Grau, Blau und Gold bemalt. Das prächtigste Beispiel befindet sich im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe befinden. Johanna Lessmann ging deshalb auch davon aus, dass es sich wohl nicht um eine umfängliche Servicebestellung gehandelt haben dürfte.
Ein im Vergleich zu unserem fast gleich großen Teller befand sich in der Sammlung Tielebier. Seine Pressmarken sind: 2/90/5.