Titel
Unterkleid zum Weiten Rock
Allgemeine Bezeichnung
Oberkleidung (Damen)
Inventarnummer
T3618
Sammlung
Textilien-Schmuck
Herstellungsdatum
um 1560/90
Maße
L. 147 cm
Klassifikation
Oberkleidung Damen
Material und Technik
Seidenlamé, Seidentaft, naturfarben, Stickerei, Klöppelborten, Pailletten, Seidenschnüre
Technologische Angaben:
Obermaterial
Seidenlamé vordere Mitte (1), Seidenlamé Saumbereich (2), Seidentaft an Seiten und Rückseite (3)
(1) Seide, naturfarben, Köperbindung 3/1, S-Grat, mit Silberlahn lanciert, florale Musterung durch Flottierung des Grundschusses
Kette: Seide, naturfarben, s-gedreht, 90 – 100 F/cm
Grundschuss: Seide, naturfarben, Seidenfaden gefacht aus je 6 z-gedrehten Fäden, 14 – 17 F/cm
Lancierschuss: Silberlahn, 14 – 17 F/cm
Webkante vorhanden
(2) Seide, naturfarben, Leinwandbindung, lanciert
Kette: Seide, naturfarben, ohne erkennbare Drehung, 60 – 68 F/cm
Grundschuss: Seide, naturfarben, ohne erkennbare Drehung, 14 – 15 F/cm
Lancierschuss: Silberlahn, 14 – 15 F/cm
Webkante vorhanden
(3) Seide, naturfarben, Leinwandbindung
Kette: Seide, naturfarben, ohne erkennbare Drehung, 80 – 84 F/cm
Schuss: Seide, naturfarben, ohne erkennbare Drehung, 31 – 34 F/cm

Einlagen/Versteifungen
Leinengewebe vollflächig, Leinen, weiß, Leinwandbindung

Futter
Seidentaft im unteren Rockbereich, wie Obermaterial (3)

Verzierungen
Stickerei (1), Klöppelborten mit Applikation (2), angelegte Schnüre (3)
(1) schleifenförmig gelegte, gewickelte Schnur, schwarz und dunkelbraun, in Anlegetechnik, gebläute Eisenpailletten
(2) 2 Klöppelborten (B. 13,0 bzw. 3,5 cm), Seide, schwarze und weiße Fäden; darauf florale Muster aus schwarzem, beschichtetem Gewebe mit
schwarzer Schnur mit eingeflochtenem Silberlahn konturiert, bestickt mit gekräuselten Kantillen aus versilbertem Kupfer
(3) 2 mit Seidenfaden zusammengefasste Schnüre unterschiedlicher Drehung bestehend aus Seidenummantelung und Kern aus Baumwolle, dunkelbraun, es ergibt sich eine zopfartiger Effekt

Verschlüsse
Schnürlöcher (1) und Nestellöcher (2)
(1) hintere Mitte, 62 Schnürlöcher, je 31 auf jeder Seite
(2) Ärmelsaum, je 10 Nestellöcher an jedem Ärmelsaum

Maße
Gesamtlänge vorne und hinten 147 cm
Schulterbreite 42 cm, Saumweite 260 cm
Vitrinentext
Unterkleid und Ärmel (T 3618,1-2). Das Kleid wurde unter dem Weiten Rock getragen. Das bestickte Metallgewebe und die Bordüren sind auf die sichtbaren Partien beschränkt. Für die verdeckten Teile wählte man einfachere Seiden. In Armausschnitte und Armkugeln sind Löcher eingearbeitet, über die Kleid und Ärmel mit Bändern verbunden wurden.

Kirtle and Sleeves (T 3618,1-2). The garment was worn beneath the loose gown. The embroidered metallic fabric and the edging are limited to the visible parts. Plainer silks were used for the covered sections. Eyelet holes have been sewn into the armholes and sleeveheads, through which the dress and sleeves were joined with lacing.

Beschreibung
(Unterkleid zu T 3617); ärmelloses Kleid, das sich nach unten ohne Taillenmarkierung erweitert. An das vordere, trapezförmige Mittelteil aus floral gemustertem Seidenlamé (= sichtbare Partie unter dem Überkleid) schließt im unteren Bereich ein ungemusterter Seidenlamé, darüber ein gleichfarbiger Seidentaft an. Die vordere Mittelpartie ist flächig mit vierblättrigen Blüten und Pailletten (zahlreiche verloren) bestickt; im Saumberreich ein über Mittel- und Seitenteile führender Besatz aus schwarzseidener, bestickter Klöppelspitze, am Mittelteil beidseitig und über dem Saumbesatz Dekor aus zwei, bzw drei angelegten Seidenschnüren. Rückenverschluss aus beidseitig 31 Nestellöchern (Nesteln fehlen), weitere 10 Schnürlöcher zur Befestigung langer Ärmel in beiden Armausschnitten. Leinenfutter.
Literatur
In Mode. Kleider und Bilder aus Renaissance und Frühbarock. Hrsg. von Jutta Zander-Seidel. Ausst.Kat. Germanisches Nationalmuseum. Nürnberg 2015, S. 80-82, 274 (technologische Angaben), Kat.-Nr. 33.
Jutta Zander-Seidel: In Mode. Kleider und Bilder aus Renaissance und Frühbarock, um 1560/1600. In: Jahresbericht der Ernst von Siemens Kunststiftung München 31, 2013/2014. München 2014, S. 76 – 77.
Caroline Johnson: The Queen’s Servants: Gentlewomen’s dress at the accession of Henry VIII. A Tudor Tailor Case Study. Lightwater 2011, S. 13.
Johannes Pietsch, Karen Stolleis: Kölner Patrizier- und Bürgerkleidung des 17. Jahrhunderts. Die Kostümsammlung Hüpsch im Hessischen Landesmuseum Darmstadt. Mit einem Beitrag von Nadine Piechatschek (Riggisberger Berichte 15). Riggisberg 2008, S. 24, Anm. 21.
Adel im Wandel. Politik, Kultur, Konfession 1500 – 1700. Hrsg. vom Amt der NÖ Landesregierung, Abt. III/2 – Kulturabt. Ausst.Kat. Niederösterreichische Landesausstellung, Rosenburg. Wien 1990, S. 175, Anm. 33.
Janet Arnold: Patterns of Fashion. The cut and construction of clothes for men and women c. 1560 – 1620. London 1985, S. 44-46, 109-111.
Eva Nienholdt: Kostümkunde. Ein Handbuch für Sammler und Liebhaber (Bibliothek für Kunst- und Antiquitätenfreunde 15). Braunschweig 1961, S 47, 49, Abb. 36.
Aufgang der Neuzeit. Deutsche Kunst und Kultur von Dürers Tod bis zum Dreissigjährigen Kriege 1530 – 1650. Ausst.Kat. Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg. Bielefeld 1952, S. 120, Nr. M 180, M 181.
Emma von Sichart: Praktische Kostümkunde in 600 Bildern und Schnitten. Nach Carl Köhler. München 1926, Bd. 2, S. 285, 287, Abb. 334.
Walter Fries: Die Kostümsammlung des Germanischen Nationalmuseums zu Nürnberg. Besprochen aus Anlaß ihrer Neuaufstellung im Jahre 1924. In: Anzeiger GNM 1926, S. 19-20, Abb. 10.
Anzeiger GNM, 1902, Nr. 2, S. S. LIX.