Titel
Grünes Wams mit "Gänsbauch"
Allgemeine Bezeichnung
Oberkleidung (Herren)
Inventarnummer
T4256
Sammlung
Textilien-Schmuck
Herstellungsdatum
um 1580/1600
Maße
L. 54 cm
Material und Technik
Seidenatlas mit Schlitzmuster über Seidentaft, grün, Vorderteile und Rücken wattiert, Leinenfutter, Seidenborten, Posamentenknöpfe
Technologische Angaben:
Obermaterial
Seidenatlas (1) und Seidentaft (2), vollflächig unter (1)
(1) Seide, grün-changierend, Atlasbindung 7/1, Schlitzmuster auf Korpus und Ärmeln
Kette: Seide, grün-changierend, s-gedreht, 150 – 160 F/cm
Schuss: Seide, grün, ohne erkennbare Drehung, 30 – 32 F/cm
(2) Seide, grün-changierend, Leinwandbindung
Kette: Seide, grün-changierend, ohne erkennbare Drehung, 42 – 44 F/cm
Schuss: Seide, grün-changierend, ohne erkennbare Drehung, 28 – 30 F/cm

Polsterung/Wattierung
Wattierung von Vorder- und Rückenteilen zwischen Obergewebe (2) und Futter (1)
Baumwollvlies, am Futter befestigt

Futter
Korpus und Ärmel (1), Kragen (2), Verblendung der Knopflochleiste (3), Schöße (4)
(1) Leinen, naturfarben, Leinwandbindung
(2) entspricht Obergewebe (2)
(3) Leinen, blau, Leinwandbindung
(4) Leinen, naturfarben, Leinwandbindung, schwarz beschichtet

Verzierungen
Borten in Brettchenweberei an Kragen,
Schößen, Schultern, Ärmelabschlüssen und
vorderer Mitte, Seide, grün

Verschlüsse
Knöpfe/Knopflöcher (1), Schnürlöcher (2), Nestellöcher (3) und Ösen (4)
(1) 24 Posamentenknöpfe in der vorderen Mitte (5 fehlen), je einer an Ärmelschlitzen (beide fehlen), Holzkern umstochen mit Seidenfäden, grün, Dm. 1,3 cm
(2) 2 Schnürlöcher am Schoß in der vorderen Mitte
(3) 82 Nestellöcher, an Nestellochleiste in der Taille unter den Schößen
(4) 10 Ösen, Metall, an Nestellochleiste

Maße
Gesamtlänge vorne 54 cm, hinten 50 cm
Kragenlänge vorne 5 cm, hinten 7 cm
Schoßlänge vorne 8 cm, hinten 7,5 cm
Ärmellänge rechts und links 63 cm
Taillenweite außen 116 cm
Vitrinentext
Das Wams mit den gepolsterten, spitz zulaufenden Vorderteilen folgt der Mode des "Gänsbauchs". Die bei Harnischen vorgebildete Form erreichte am Ende des 16. Jahrhunderts die zivile Kleidung. Das "gehackte" Muster zeigt unterschiedlich lange Schnitte und Lochreihen. 24 Knöpfe betonen die markante Silhouette.

Doublet with "peascod belly”. The doublet with the padded pointed front follows the fashion of the "peascod belly". This form, prefigured in armor, was adopted by civilian clothing at the end of the 16th century. The “pinked” pattern displays cuts of different lengths and rows of holes. 24 buttons emphasize the striking silhouette.

Beschreibung
-- Ein 360°-Video des Objektes befindet sich auf YouTube: www.youtube.com/GNMvideo/Playlists/InMode. - Kurzes tailliertes Schoßwams aus "zerhacktem" grünem Seidenatlas mit mittelhohem Stehkragen, langen weiten, zum Handgelenk schmal zulaufenden und dort (ehemals) mit je einem Knopf geschlossenen Ärmeln; wattiertes Rückenteil und ebensolche Vorderteile, hier in Form des für die Zeitmode charakteristischen, spitz nach unten gezogenen "Gänsbauchs"; vordere Mitte Knopfleiste mit ursprünglich 24 (5 fehlen) eng gesetzten, grünen Posamentenknöpfen und Knopflöchern. Das Schlitzmuster des Oberstoffs bilden Schlitze in drei unterschiedlichen Länge: die Grundstruktur gibt ein in den Ecken gerundetes Rautennetz aus parallel geführten, durch kurze Schlitze gebildeten Linien vor. Zwischen diesen Linien sind in gleichmäßigem Abstand längere, quer verlaufende Schlitze eingeschlagen, in den Feldern der Rauten vertikale, ca. 3 cm lange Schlitze, Dem geschlitztem Oberstoff gibt ein darunter liegender, gleichfarbiger Seidentaft Halt, an den Kanten und am Rückenteil grüne, brettchengewebte Seidenborten. Die Wattierung aus Baumwollvlies ist von einem ungefärbten Leinenfutter abgedeckt und durch dieses hindurch mittels eines quadratischen Stichrasters fixiert.
Literatur
In Mode. Kleider und Bilder aus Renaissance und Frühbarock. Hrsg. von Jutta Zander-Seidel. Ausst.Kat. Germanisches Nationalmuseum. Nürnberg 2015, S. 88-90, 275-276 (technologische Angaben), Kat.-Nr. 39.
Laura Peters, Susanne Michels: Schritt für Schritt zur optimalen Sicherung. Die Restaurierung eines Männerwamses aus dem frühen 17. Jahrhundert. In: Einsichten. Beiträge zur Konservierung, Restaurierung, Kunsttechnologie. Festschrift für Prof. Dr. Elisabeth Jaegers anlässlich der Emeritierung 2015. Köln 2015, S. 151 – 160.
Jutta Zander-Seidel: In Mode. Kleider und Bilder aus Renaissance und Frühbarock, um 1560/1600. In: Jahresbericht der Ernst von Siemens Kunststiftung München 31, 2013/2014. München 2014, S. 76 – 77.
Jutta Zander-Seidel, Laura Peters: Frühneuzeitliche Kleidung aus der Sammlung des Germanischen Nationalmuseums, um 1580/1600. In: 30. Jahresbericht der Ernst von Siemens Kunststiftung München 2012/2013. München 2013, S. 68 – 69.
Susanne Michels: Ein Männerwams des frühen 17. Jahrhunderts. aus dem Germanischen Nationalmuseum. Unveröff. Diplomarbeit Fachhochschule Köln 2011.
Janet Arnold: Patterns of Fashion. The cut and construction of clothes for men and women c. 1560 – 1620. London 1985, S. 23, 78-79.
Praktische Kostümkunde in 600 Bildern und Schnitten. Nach Carl Köhler bearbeitet von Emma von Sickart. 1. Halbband, München 1926, S. 229.