Titel
Kaiser Sigismund
Allgemeine Bezeichnung
Gemälde, Porträt
Inventarnummer
Gm168
Sammlung
Gemälde bis 1800
Herstellungsort
Franken; Nürnberg
Herstellungsdatum
um 1511/13
Hersteller
Dürer, Albrecht (1471-1528)
Maße
H. 215 cm; B. 115 cm; mit Rahmen: H. 214,6 cm; B. 115 cm
Material und Technik
Malerei auf Lindenholz (Tilia sp.)
Vermerk am Objekt
Beschriftung: "Dis·bildung·ist·kaiser·sigmund· / Der·niernberg·zu·aller·stund· / zu·sunder·gnade(n)·was·genaigt· / fil·heilt-ums·des·man·jaerlich·zaigt· / prach(t)·Er·vo(n)·praug·auß·pehemer·lant· / Mit·sunder·gnaden·fil·bekant". (Auf der Rückseite dieselben Wappen, darunter sechszeilige Inschrift)

Vitrinentext
Sammelkommentar: Karl der Große hatte die Idee des römischen Kaisertums wieder aufgegriffen und galt den folgenden Kaisern als Vorbild. Mit der Tafel schuf Dürer ein neues, fortan gültiges Idealbild. Neben ihm steht Sigismund, der 1424 die Reichskleinodien nach Nürnberg brachte. Nürnberg war seit 1424 Aufbewahrungsort der Reichskleinodien: Die wichtigsten Bestandteile bildeten Kaiserkrone, hl. Lanze und Reichsschwert. Der Schatz wurde einmal im Jahr auf dem Hauptmarkt gezeigt, wofür es Ablass gab. In der Nacht davor wurde er im Schopperschen Haus in einer Art Schrein aufbewahrt. Im Auftrag des Rates malte Dürer hierfür die beiden Tafeln. Sie verloren 1526 mit Aufhebung der Heiltumsweisung ihre Funktion und kamen ins Rathaus. Der Rat sicherte sich das Monopol über alle Kopien.

Summary: The Emperors Charlemagne and Sigismund. Painting on limewood. Charlemagne had revived the idea of the Roman empire and was considered the model emperor by his successors. Dürer's portrait created a new idealized image. Next to Charlemagne stands Sigismund, who brought the imperial insignia to Nuremberg in 1424. The imperial regalia had been kept in Nuremberg since 1424, the most important items being the Holy Lance, the imperial crown and sword. Once a year the treasure was displayed in the main market square, which merited an indulgence. On the night before, the treasure was kept in a kind of shrine. Dürer was commissioned by the Town Council to paint the two panels for it. They lost their function in 1526 when the displaying of relics ended and were taken to the Town Hall. The council secured a monopoly on all copies.

Beschreibung
Kniestück, nach links, vor dunklem Grund. Er trägt eine gotische Bügelkrone. In seinen Händen hält er Szepter und Reichsapfel. Er trägt einen Mantel aus Goldbrokat mit breiten Schmuckbändern, über der Brust gekreuzt eine Stola mit aufgesetzten Kreuzen. Den Kopf kennzeichnen die lange und gekrümmte Nase, der zweigeteilte Bart und gezwirbelte Schnurrbart und der Blick aus den Augenwinkeln auf den Betrachter. Oben die fünf Wappen seiner Kronländer. Um den Rahmen läuft eine Umschrift. Zu den 5 Wappen oben: Hl. Röm. Reich deutscher Nation (Doppeladler), Böhmen, Alt- und Neu-Ungarn, Luxemburg.
Literatur
Anzelewsky, Fedja: Albrecht Dürer. Das malerische Werk. Berlin 1991, S. 47--49 und Nr. 123, 124, S. 80--81, Abb. 148--151.
Löcher, Kurt: Die Gemälde des 16. Jahrhunderts. Germanisches Nationalmuseum Nürnberg. Stuttgart 1997, S. 203--210 mit älterer Literatur.
Saurma-Jeltsch, Lieselotte E.: Karl der Große im Spätmittelalter: Zum Wandel einer politischen Ikone. In: Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins, Bd. 104-105, 2002-2003, bes. S. 443--461.
Faszination Meisterwerk. Dürer, Rembrandt, Riemenschneider. Ausst.Kat. des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg. Nürnberg 2004, S. 58--59.
Renaissance. Barock. Aufklärung. Kunst und Kultur vom 16. bis zum 18. Jahrhundert. Hrsg. von Daniel Hess und Dagmar Hirschfelder. (Die Schausammlungen des Germanischen Nationalmuseums, Band 3) Nürnberg 2010, S. 82--83, 419--420, Abb. 449.