Titel
Gedächtnistafel für die Jerusalem-Pilger aus der Nürnberger Handelsfamilie Ketzel
Allgemeine Bezeichnung
Gemälde
Inventarnummer
Gm581
Sammlung
Gemälde bis 1800
Herstellungsort
Nürnberg
Herstellungsdatum
um 1595
Hersteller
unbekannt
Maße
H. 68 cm; B. 109 cm
Material und Technik
Malerei auf Kiefernholz (Pinus sylvestris)
Vermerk am Objekt
Beschriftung: "Michel ketzel Zug Zum heyligen / Grab Mit graf herman von henenpergk 1503 Jar" (im Bild untere Reihe 3. Position (von links))

Vitrinentext
Die Tafel zeigt Mitglieder der Familie, die von 1389 bis 1503 Pilgerfahrten nach Jerusalem unternahmen. Die dort zu Rittern des hl. Grabes Geschlagenen sind mit den auf ihren Reisen empfangenen Orden dargestellt. Den Inschriften ist zu entnehmen, dass einige Reisen in fürstlicher Gesellschaft erfolgten. Die Tafel folgt wahr-scheinlich einem älteren Vorbild. Der Hinweis auf die ausgezeichneten Vorfahren sollte wohl die Aufnahme der Ketzel in das Nürnberger Patriziat befördern. Dies blieb ihnen jedoch trotz der Pilgerehren verwehrt.

Memorial Panel for Jerusalem Pilgrims of the Ketzel Family, Nuremberg Merchants. Painting on pine. The panel shows members of the family who undertook pilgrimages to Jerusalem from 1389 to 1503. Those knighted at the Holy Sepulchre are portrayed with the orders they received during their journeys. The inscriptions infer that some journeys took place in royal company. The panel is probably based on an older painting. The reference to distinguished ancestors was supposed to aid the Ketzels in their bid to be raised to the status of Nuremberg patricians. This was denied them, however, despite the honors received.

Beschreibung
In zwei Reihen hochrechteckige Felder mit den nach (heraldisch) links knienden ritterlich gerüsteten Familienmitgliedern und jeweils dem Ketzelschen Wappen: In Blau auf goldenem Dreiberg eine graue langgeschwänzte Meerkatze, die in der rechten Pfote eine goldene Kugel (Pomeranze) und um den Leib einen goldenen Gürtel mit Ring trägt. Helmzier: Die Meerkatze auf dem Dreiberg. Decken: Blau golden. Deneben auf kleinerem Schild jeweils das Wappen der Ehefrau, dem sich das des Mannes in heraldischer Courtoisie zuneigt. Oben die Abzeichen der Ritterorden, deren Mitgliedschaft durch die Pilgerreisen erworben wurde. Unter dem Dargestellten jeweils auf abgetrenntem Feld eine drei- bzw. vierzeilige Inschrift. Zwei Bild- und Schriftfelder blieben unbesetzt. - Zu den Inschriften siehe unten. --- Einzelbilder von links nach rechts: Obere Reihe: 1. Heinrich Ketzel (gest. 1438), bärtig, barhäuptig, im Harnisch. Wappen der Ehefrau Anna Igelbrecht aus Augsburg. Abzeichen: Kanne mit Blumen (aragonesischer Kannenorden), Schwert mit S-förmig dasselbe umwindendem Gurt (cyprischer Schwertorden), Rad mit Nabe und Handkrubel (St.-Katharinen-Orden von Sinai), Krückenkreuz (Orden vom Hl. Grab). - 2. Georg Ketzel (1423 - 1488), barhäuptig, bartlos, imharnisch. Wappen der Ehefrau Dorothea Roth aus Auerbach. Abzeichen: Muschel mit Stern (Ritterorden St. Jago di Compostela), T mit Glocke (S. Antonius-Orden von Henneberg), Kanne mit Blumen, Schwert mit Gurt, Krückenkreuz. - 3. Ulrich Ketzel (1440 - vor 1484), in Harnisch und Helm. Abzeichen: Pferd mit Zaumzeug, Blütenkranz, Sonne mit Panther und Band, Wolkenkranz, Aus Wolken ragende Hand mit Vogel, Gekreuzte Krückenstäbe, Drache (Drachenorden), Löwe mit Vogel, Drache mit geringeltem Schwanz, Fliegendes Band, Geflügelter Löwe mit Schriftband, Halbes Rad, Kanne mit Blumen, Krückenkreuz, Schwert mit Gürtel, T mit Glocke, Muschel mit Stern, Schiff mit 9 Kronen. - 4. Martin Ketzel (gest. nach 1507), bartlos, in Harnisch und Barett. Wappen der Ehefrau Eva Heiden aus Ulm. Abzeichen: Kanne mit Blumen, Schwert mit Gurt, zweimal das Krückenkreuz. - 5. Wolfgang Ketzel (1472 - 1544), bärtig, barhäuptig, mit einer Fahne mit Madonnenbild. Wappen der 2. Ehefrau Barbara Tetzel: Meerkatze. Abzeichen: Kanne mit Blumen, Schwert mit Gurt, Krückenkreuz. --- Untere Reihe: 1. Georg Ketzel (1463 - 1533), bartlos, mit Haarnetz, in Harnisch und Waffenrock. Wappen der Ehefrau Martha Haller (vermählt 1509). Abzeichen: Andreaskreuz, Schwert mit Gurt, Krückenkreuz. - 2. Sebald Ketzel (1473 - 1530), bärtig, in Harnisch und Waffenrock, mit Barett. Wappen der Ehefrau Katharina Harsdörffer (vermählt 1500). Abzeichen: Schwert mit Gurt, Krückenkreuz. - 3. Michael Ketzel (gest. 1505), bartlos, in Harnisch und Waffenrock, mit Barett. Wappen der Ehefrau Magdalena Marstaller. Abzeichen: Kanne mit Blumen, Schwert mit Gurt, Krückenkreuz. (Felder 4 und 5 der unteren Reihe unbesetzt.)
Literatur
Essenwein, August von: Katalog der im germanischen Museum befindlichen Gemälde. Nürnberg 1882, Nr. 475.
Essenwein, August von: Katalog der im germanischen Museum befindlichen Gemälde. Nürnberg 1885, Nr. 486.
Essenwein, August von: Katalog der im germanischen Museum befindlichen Gemälde. 3. Auflage. Nürnberg 1893, Nr. 525.
Braune, Heinz: Katalog der Gemäldesammlung des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg. Nürnberg 1909, Nr. 581.
Aign, Theodor: Die Ketzel. Ein Nürnberger Handelsherren- und Jerusalempilgergeschlecht (Freie Schriftenfolge für Familienforschung in Franken 12). Neustadt a.d. Aisch 1961, S. 71--72, Abb. 6, 10.
Löcher, Kurt: Die Gemälde des 16. Jahrhunderts. Germanisches Nationalmuseum Nürnberg. Stuttgart 1997, S. 370--372.
Kraack, Detlev: Vom Ritzen, Kratzen, Hängen und Hinsehen. Zum Selbstverständnis der spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Reisenden auf dem Weg von der Heidenfahrt zur Kavalierstour. In: Grand Tour. Adeliges Reisen und europäische Kultur vom 14. bis zum 18. Jahrhundert. Hrsg. von Rainer Babel--Werner Paravicini. Ostfildern 2005, S. 153--154, Abb. 6.
zu weiteren Ketzel-Stiftungen und zum Kontext von Pilger-Memorialstiftungen: Carola Fey: Wallfahrtserinnerungen an spätmittelalterlichen Fürstenhöfen in Bild und Kult. In: Mittelalterliche Fürstenhöfe und ihre Erinnerungskulturen. Hrsg. von Carola Fey--Steffen Grieb. Göttingen 2007, bes. S. 152--154.
Daniel Hess: Kulturgeschichte im Germanischen Nationalmuseum. In: Martina Padberg, Martin Schmidt (Hg.): Die Magie der Geschichte. Geschichtskultur und Museum (Schriften des Bundesverbands freiberuflicher Kulturwissenschaftler, Band 3). Bielefeld 2010, S. 143-144, Abb. 6.
Renaissance. Barock. Aufklärung. Kunst und Kultur vom 16. bis zum 18. Jahrhundert. Hrsg. von Daniel Hess und Dagmar Hirschfelder. (Die Schausammlungen des Germanischen Nationalmuseums, Band 3) Nürnberg 2010, S. 167, 170, 387--388, Abb. 131.