Jagd nach dem Altertum
Das Germanische Nationalmuseum versteht sich maßgeblich als Museum für den deutschsprachigen Raum. Als um 1900 der Trakt mit den sogenannten Bauernstuben eingerichtet wurde, war es daher naheliegend, dass auch ein Zimmer aus der deutschsprachigen Schweiz gezeigt wurde. Museumsleute und FreundMehr

Jagd nach dem Altertum
Das Germanische Nationalmuseum versteht sich maßgeblich als Museum für den deutschsprachigen Raum. Als um 1900 der Trakt mit den sogenannten Bauernstuben eingerichtet wurde, war es daher naheliegend, dass auch ein Zimmer aus der deutschsprachigen Schweiz gezeigt wurde. Museumsleute und Freunde historistischer Lebenswelten machten damals regelrecht Jagd auf derartige Getäfer, wie die Wandvertäfelungen in der Schweiz heißen. Die dortigen Museumsdirektoren und Denkmalpfleger zeigten sich besorgt angesichts des lebhaften Verkaufs dieser Altertümer ins Ausland. Die Rubrik „Schweizerische Altertümer im In- und Auslande“ in den Jahresberichten des Schweizerischen Landesmuseums, informierte eigens über den Verbleib wichtiger Objekte. Dazu zählte auch die nach Nürnberg gelangte „Stube“ aus dem Klettgau. Laut einem Schreiben des damaligen Direktors Gustav Bezold stammte sie aus „Gunterswyl oberhalb Ermatingen“, heute ein Ortsteil der Gemeinde Wäldi im Kanton Thurgau.

Modernisierung und Erinnerung
Aus dem Kanton Thurgau stammen aber letztlich nur die Zimmerdecke und die Wandvertäfelung mit dem integrierten, 1666 datierten Büfett. Alle anderen Einrichtungsgegenstände sind aus anderen Orten und aus unterschiedlichen Zeiten, obwohl sie alle gemeinsam in dieser Zusammenstellung seit über einem Jahrhundert zur visuellen Vorstellung der Region beitragen. Das Museum konnte die Einbauten über einen Landwirt, Gemischtwaren- und Antiquitätenhändler aus Jestetten an der Schweizer Grenze erwerben, der bereits seit August 1898 verschiedene Objekte nach Nürnberg geliefert hatte. Im November des Jahres wies er die Museumsmitarbeiter darauf hin, dass es ihm endlich gelungen sei, „in einem schlichten Bauernhause in der Nähe v. Konstanz, ein prachtvolles Zimmergetäfel ausfindig zu machen.“ Vor allem lenkte er den Blick auf das reich geschnitzte Büffet „von hervorragender Schönheit“. Einziger Makel der Objekte war aus seiner Sicht ihre Übermalung mit weißer Ölfarbe. Doch diese war seinen Beobachtungen gemäß bei den meisten Wandvertäfelungen inzwischen üblich. Der Besitzer der angebotenen Bauteile wünschte ihren schnellen Ausbau, da er modernisieren und eine neue Vertäfelung einbauen lassen wollte. Dieser Wunsch kam dem Museum sehr entgegen, konnte es doch auf diese Weise seine Sammlung erweitern. Die weiße Farbe wurde im Museum entfernt.
 

Weniger
Titel
Thurgauer Bauernstube
Allgemeine Bezeichnung
Bauernstube
Inventarnummer
BA4238
Sammlung
Volkskunde-Spielzeug-Judaica
Herstellungsort
Schweiz; Thurgau
Herstellungsdatum
1666
Maße
H. 243 cm; B. 229 cm, T. 49 - 54 cm.
Material und Technik
Kiefern- und Nussbaumholz, geschnitzt.
Standort
Dauerausstellung Volkskunde
Beschreibung
Vertäfelung einer Thurgauer Stube mit Kasettendecke und integriertem Büfett. Büfett mit horizontaler Dreiteilung. Zwischen dem oberen und unteren Schrank befindet sich ein treppenartiger Aufsatz mit integrierten Schubladen, von denen die untere Reihe jedoch nur vorgestäuscht ist. Die Stufen können als Buffet genutzt werden. Auf der linken Seite befindet sich eine leicht nach hinten versetzte Nische aus Zinn mit einem Becken und einem Wasserbehälter.
Literatur
vergleiche: Bernward Deneke: Bauernmöbel. Ein Handbuch für Sammler und Liebhaber. München 1969, S. 344, Abb. 302.
vergleiche: Claudia Selheim: Exportschlager Schweizer Volkskultur im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg. In: Edgar Bierende, Sibylle Hoiman, Anna Minta, Matthias Noell (Hrsg.): Helvetische Merkwürdigkeiten. Wahrnehmung und Darstellung der Schweiz in der Kunst- und Kulturgeschichte seit dem 18. Jahrhundert (Neue Berner Schriften zur Kunst 10). Bern, Berlin, Brüssel u.a. 2010, S. 155–171, bes. S. 161-164.

Sie finden das Objekt in der Dauerausstellung mit der Nummer 2: Dauerausstellung Volkskunde