Titel
Futteral für einen Reichsapfel
Allgemeine Bezeichnung
Futteral aus Leder
Inventarnummer
HG3592
Proviso
Leihgabe Evang.-Luth. Kirchengemeinde Nürnberg - St. Lorenz
Sammlung
Kunsthandwerk I (bis 1500)
Anzahl der Teile
1
Herstellungsdatum
1457 oder 1497
Maße
H. 28,5 cm; Dm. 11,0 cm
Material und Technik
Holzkern, mit schnittverziertem und punziertem Leder bezogen; Innenauskleidung in rotem Leder bzw. rotem Papier
Standort
Dauerausstellung Mittelalter
Beschreibung
Das kugelige Behältnis besteht aus zwei Halbschalen. Die obere der beiden ist zudem mit einem hohen, flachem Aufsatz versehen, der oben dreiseitig abschließt. Während die Kugel den Apfel selbst aufnahm, ragte das oben angebrachte Kreuz in der langen Aufsatz der oberen Schale. Die beiden Futteralhälften werden durch ein umlaufendes (nicht mehr originales) Lederband zusammengehalten, das auf jeder Seite durch je zwei untere und drei obere Ösen läuft und verknotet wird. -- Die untere Schale ist etwas gestaucht, so dass eine ebene Standfläche entsteht. Auf dieser Fläche ist das Datum eingeschnitten. Leer dagegen blieben die offenbar für Wappen vorgesehenen Schildkartuschen, die der Dekor der oberen Schale auf beiden Seiten ausspart. Das aus dem Leder geschnittene, kraus verwundene Ranken- und Blattornament vor gepunztem Grund entspricht in Stil und Technik dem Dekor des ebenfalls in Nürnberg geschaffenen, 1513 datierten Etuis für das Kreuzpartikel (jetzt in Wien). Die schwer lesbare Datierung auf der Standfläche, die bislang als "1457" gedeutet wurde, wäre daher mit "1497" schlüssiger zu interpretieren. -- Die Zuweisung an eine bestimmte Insignie ist nicht möglich. Die Reichskleinodien umfassten mehr als nur einen Reichsapfel, insgesamt existierten neben dem noch in Wien verwahrten zwei weitere, einfachere Exemplare. Sie gingen 1796 bei der Deportation des Schatzes vor den anrückenden Franzosen verloren. Warum das Futteral, das wohl für einen der beiden gedacht war, in Nürnberg erhalten blieb, lässt sich nicht nachvollziehen.
Vitrinentext
Das Futteral war zum Schutz eines der Reichsäpfel bestimmt, die zu den in der Nürnberger Heilig-Geist-Kirche aufbewahrten Reichsinsignien gehörten. Bei der kriegsbedingten Auslagerung des Schatzes1797 gingen zwei dieser Kleinodien verloren, während der dritte seit 1800 in Wien aufbewahrt wird. Zu welchem dieser Exemplare das in Nürnberg verbliebene Futteral gehörte, ist nicht sicher.

The case was made to protect one of the imperial orbs which were part of the Imperial Regalia stored in the Nuremberg Church of the Holy Spirit. The threat of war in 1797 led to the treasure being moved out of the city for safekeeping. Two of these insignia were, however, lost, while the most important one has been held in Vienna since 1800. It is not certain which of the orbs belonged to the case remaining in Nuremberg.

Literatur
Geschichtsbilder. Die Gründung des Germanischen Nationalmuseums und das Mittelalter. Kat. Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg (Die Schausammlungen des Germanischen Nationalmuseums 4). Hrsg. von Jutta Zander-Seidel/Anja Kregeloh. Nürnberg 2014, Kat.-Nr. 94.
Spektakel der Macht. Rituale im Alten Europa 800 - 1800. Ausst. Kat. Magdeburg 2006, Kat. Nr. I.30.
Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation. 962 - 1806. Bd. 1: Von Otto dem Großen bis zum Ausgang des Mittelalters. Ausst. Kat. Magdeburg. Dresden 2006, S. 487-488, Kat. Nr. V.79 (Ralf Schürer). Link zur Bibliothek
Hauptstadt, Zentren, Residenzen, Metropolen in der deutschen Geschichte. Ausst. Kat. Bonn. Köln 1989, S. 80 und S. 103, Kat. Nr. 4/25. Link zur Bibliothek
Albrecht Dürer 1471 - 1971. Ausst. Kat. Nürnberg. München 1971. Link zur Bibliothek
Hermann Fillitz: Die Insignien und Kleinodien des Heiligen Römischen Reiches. München 1954, S. 30. Link zur Bibliothek
August von Essenwein: Zwei zu den deutschen Reichskleinodien gehörige Futterale. In: Anzeiger für die Kunde der deutschen Vorzeit. NF 20 (1873), Sp. 1-6.

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