Titel
Geschnitzte Bambuswurzel
Allgemeine Bezeichnung
Schnitzerei
Inventarnummer
LGA1828
Sammlung
Gewerbemuseum
Herstellungsort
Japan
Maße
H 16,0 cm; L 33,0 cm; B 11,0 cm
Klassifikation
Weltausstellung
Material und Technik
Bambuswurzel
Beschreibung
Phantasieschnitzerei aus einer hellbrauen Bambuswurzel. Dargestellt ist ein Kahnmodell mit vielen kleinen Figuren. "Die Schnitzerei, ein Geschenk zu einem Geburtstagsfest im hohen Alter, ist aus dem untersten, stark verholzten Teil eines Bambusrohres bootähnlich gestaltet. Im Zentrum sowie im hinteren Teil stehen grosse Kiefern als Symbole der Beständigkeit und des Alters. Neben den mittleren Bäumen steigen drei Fledermäusen auf, chinesisch „fu“, gleichlautend mit „Glück“, also „dreifaches Glück“. Ein kleiner Ruderknecht bedient ein Ruder an der Steuerbordseite des Bootes. Am Bug sitzen die fröhlichen „Zwillingsgötter der Harmonie und der Einheit“ „hehe erh shen“: der linke mit seinem Attribut, einer Lotusblüte („he“) zu Füßen, der rechte mit einer hier geschlossenen Deckelschale („he“), aus der gewöhnlich fünf Fledermäuse oder ein Pferd aufsteigen. Ihre Bedeutung als Glücksbringer erklärt sich aus der mehrfachen Bedeutung von Worten mit der Aussprache „he“. Mit anderen Schriftzeichen geschrieben, bedeutet „he“ auch Eintracht, Einmütigkeit und „verbinden“. Im Heck des Bootes vertiefen sich die drei Sterngottheiten „Fu Lu Shou Xing“, der Gott des Glücks (Fu Xing), des Reichtums (Lu Xing) und des Langen Lebens (Shou Xing) in das Studium einer Querrolle, in der der Verlauf des Lebens eines Menschen notiert ist. Das Boot selbst erinnert an die Reise der Acht Unsterblichen von der Insel Penglai zum Geburtstagsfest der Königinmutter des Westens („Xiwangmu“), aus dem Roman „Die Reise nach dem Osten“ des Wu Yuantai (um 1522 – 1566). Steuerbords sitzen zwei ihrer Anführer: Zhongli Quan, auch Schutzpatron des Militärs, erkennbar an seinem nackten Bauch, seinen kleinen Schläfenschnecken und dem Blattfächer, mit dem er Tote aufwecken kann. Neben ihm erscheint der vornehme Lu Dongbin in Gelehrtentracht, auch Schutzpatron der Barbiere mit seinem Schwert, mit dem er Dämonen vertreiben kann. Lan Caihe, Schutzpatron der Blumenhändler, hält einen Blumenkorb mit glückbringenden Pilzen empor. Backbords steht die einzige Frau der Gruppe, He Xiangu, als Beschützerin der Hausfrauen. Zhang Guolao („Zhang, der Alte“), Schutzpatron der alten Leute, mit seinem Bambusinstrument „yugu“ scheint im Gespräch vertieft mit Cao Guojiu, Schutzpatron der Schauspieler, der seine aus zwei Brettchen bestehenden Klapper vor sich hält. Der kahlköpfige Han Xiangzi, Schutzpatron der Musiker, pausiert im Flötenspiel. Anstelle des üblicherweise in dieser Gruppe dargestellten Li Tieguai, „Li mit der Krücke“, Schutzpatron der Kranken, erscheint Laozi, der Begründer des Daoismus. Hinter den Glücksgöttern der Harmonie hält der würdevolle bärtige Greis sein berühmtes Buch, das „Daodejing“, in den Händen. Die „Acht Unsterblichen“, sind in verschiedener Zusammensetzung bereits seit dem 12. Jahrhundert bekannt. Von der zweiten Hälfte der Ming-Zeit an (16. Jahrhundert) gehören sie mit einer festen Ikonographie zur Volksmythologie. (Gunhild Avitabile, Wege in die Moderne, s. Lit)
Literatur
Geschenke an das Museum gelegentlich der Wiener Ausstellung. In: Mitteilungen des Bayerischen Gewerbemuseums in Nürnberg, 1874, Nr. 4, S. 14-15, hier S. 14.
Wege in die Moderne. Weltausstellungen, Medien und Musik im 19. Jahrhundert. Hrsg. von Jutta Zander-Seidel, Roland Prügel. Ausst.Kat. GNM 2014. Nürnberg 2014, Kat.Nr. 205 (Gunhild Avitabile).
Silvia Glaser: 150 Jahre Bayerisches Gewerbemuseum Nürnberg. Nürnberg 2019, Kat. 25. Link zur Bibliothek