Ein familiäres Bildnis?
Selbstbewusst richtet diese Frau ihren Blick nach vorn. Eine Inschrift auf der Rückseite der Gipsbüste verrät, dass sie die Frauenrechtlerin und Sozialistin Clara Zetkin im Jahr 1901 darstellt. Das ebenfalls sichtbare Monogramm „K. K.“ konnte bisher niemandem zugeordnet werden, jedoch dürfte der Porträtkopf im Umkreis des MalersMehr

Ein familiäres Bildnis?
Selbstbewusst richtet diese Frau ihren Blick nach vorn. Eine Inschrift auf der Rückseite der Gipsbüste verrät, dass sie die Frauenrechtlerin und Sozialistin Clara Zetkin im Jahr 1901 darstellt. Das ebenfalls sichtbare Monogramm „K. K.“ konnte bisher niemandem zugeordnet werden, jedoch dürfte der Porträtkopf im Umkreis des Malers Georg Friedrich Zundel entstanden sein. Zundel war der zweite Ehemann Zetkins. Er war bekannt für idealisierende Bildnisse von Arbeiter*innen. Die unregelmäßige, „impressionistische“ Oberfläche der Büste passt zu dem Stil, den Zundel und sein Umkreis pflegten. Um 1900 plante er eine eigene kleine Familiengalerie. Es ist nicht auszuschließen, dass dieser Porträtkopf dazugehörte. Arbeitsspuren, die im Gips stehen gelassen sind, sprechen für eine intime und persönliche Wiedergabe der Dargestellten.

Leben für den Sozialismus
Clara Zetkin war ab 1878 in der Sozialistischen Arbeiterpartei (SAP) und ab 1890 in der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) tätig. Gemeinsam mit ihrem Ehemann lebte sie in großbürgerlichen Verhältnissen am Rande Stuttgarts. Im Lauf ihrer politischen Karriere „radikalisierte“ Zetkin sich. Ihr
pazifistisches Engagement galt in den 1910er Jahren als subversiv und leitete ihren Bruch mit der SPD ein. 1918 schloss Zetkin sich der neugegründeten Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) an, für die sie bis zum Ende der Weimarer Republik Mitglied des Reichstags war.

Der Internationale Frauentag
Wenngleich Zetkin sich stark für das Frauenwahlrecht einsetzte, relativierte sie einige feministische Forderungen. Ihrer Ansicht nach werde der Sozialismus eine klassenlose Gesellschaft schaffen, ohne dass Frauenrechte unabhängig davon eingefordert werden müssten. Trotz dieser Ansicht schlug sie 1910 gemeinsam mit Käte Duncker einen Internationalen Frauentag vor, für den der 8. März wenige Jahre später zum festen Datum wurde. Die Nationalsozialisten schafften den Tag umgehend ab. Clara Zetkin ging ins russische Exil, wo sie bald darauf starb. 1977 beschloss die Generalversammlung der Vereinten Nationen, den Internationalen Frauentag erneut am 8. März zu begehen, um das Erbe emanzipatorischer Bewegungen zu würdigen.

Weniger
Titel
Clara Zetkin
Allgemeine Bezeichnung
Portraitbüste
Inventarnummer
Pl.O.3424
Sammlung
Kunst u. Kunsthandwerk 19.-21.Jh.
Maße
mit Sockel: H. 39 cm; B. 20 cm; T. 22 cm
Ohne Sockel: H. 30 cm; B. 20 cm; T. 22 cm
Material und Technik
Gips, patiniert; Nussholzsockel
Vermerk am Objekt
Inschrift: C. Zetkin K. (?).H. 1901 (Rückseitig am Büstenfuß)

Vitrinentext
1901, im Entstehungsjahr der Büste, war Clara Zetkin, eine Freundin Rosa Luxemburgs, in Stuttgart Redakteurin der sozialdemokratischen Frauenzeitschrift "Die Gleichheit". 1907 übernahm sie die Leitung des Frauensekretariats der SPD. In Kopenhagen initiierte sie 1910 auf der "Zweiten Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz" den Internationalen Frauentag. Er wird bis heute alljährlich am 8. März begangen. Der Schöpfer der Büste dürfte aus dem Umfeld von Zetkins Ehemann, dem Maler und Grafiker Friedrich Zundel, stammen.

Literatur
Peters, Ursula: Publizistin, Frauenrechtlerin und Mitbegründerin des "Internationalen Frauentags". Ein Portrait Clara Zetkins aus dem Jahr 1901. In: Kulturgut. Aus der Forschung des Germanischen Nationalmuseums. Heft 41, II. Quartal 2014, S. 14-20.