Titel
Thronende Muttergottes
Allgemeine Bezeichnung
Figur aus Sandstein
Inventarnummer
Pl.O.2300
Sammlung
Skulptur bis 1800
Herstellungsort
Regensburg
Herstellungsdatum
um 1290
Hersteller
Erminoldmeister (bedeutendster im Regensburger Bistum gegen Ende des 13. Jahrhunderts tätiger Bildhauer, benannt nach seinem Hauptwerk, dem Grab des Abtes Erminold in der Klosterkirche zu Prüfening)
Maße
H. 140 cm; B. 64,5 cm; T. 54 cm
Material und Technik
Sandstein - massiv, rückseitig bearbeitet, Reste spätgotischer und neuerer Farbfassung
Beschreibung
Die knapp lebensgroße Figur der Gottesmutter sitzt leicht nach rechts gerichtet auf einem Schrägsockel. Auf schmalem Hals das oval geformte Haupt, das mit dem Ausdruck seligen Lächelns leicht nach vorn geneigt ist. Ein weißer, von einem Kronreif gehaltener Schleier verbirgt das in Ringellocken bis auf die Schultern herabfallende Haar nahezu. Das rechte Ende ist schräg über die von einer großen Brosche in Form einer Rosette gezierte Brust geführt. Maria trägt ein rotes Untergewand und einen blauen Mantel. Ersteres wird von einem Gürtel zusammengehalten, dessen Ende nach vorn herabhängt. Die Ärmel sind seitzlich mit Knöpfen besetzt. Der von einem perlenbesetzten Fürspan zusammengehaltene Mantel deckt die Schultern, folgt den Linien der Oberarme, legt sich von links her über den Schoß, wo er mehrere Schüsselfalten ausbildet. Das Kind steht aufrecht auf dem rechten Knie der Mutter und greift mit der Linken nach der Brosche an deren Brust. Die rechte Hand fehlt. Das Kind, das einen rötlich-graues Hemd trägt, wird von der Mutter rückwärts mit der rechten Hand gehalten. Die linke Hand der Madonna ruht auf dem oberen Mantelsaum in der Höhe des Leibes. Die lächelnde Maria wendet das Haupt dem Kind zu. In der Behandlung der in Kaskaden fallenden Draperien und des sich in Bodennähe in ondulierendne Formationen stauchendenden Mantels sucht der Bildhauer das Vorbild zu erreichen. Das Kind greift an die Rosenbrosche der Mutter - eine Geste, die nicht nur der Auflockerung der hieratischen Feierlichkeit dient, sondern auch das theologisch gedachte Verhältnis von Kind und Bräutigam zu Mutter und Braut verdeutlicht.
Vitrinentext
Die Madonna entstand im Umkreis eines der bedeutendsten süddeutschen Bildhauer der Gotik. Sein Notname geht auf das Grabmal des Abtes Erminold in der Klosterkirche Prüfening von 1283 zurück. Sein Werk kennzeichnet den Übergang von der kräftigen Statuarik der Frühzur idealisierten, rhythmisch bewegten Plastik der Hochgotik. Typisch sind die Tendenz der Rückbildung des Körpers zur reinen Gewandfigur, die Vorliebe für Gewandmassen und der architekturbezogene Charakter.

Literatur
Kammel, Frank Matthias: Mittelalter. In: Germanisches Nationalmuseum. Führer durch die Sammlungen. Nürnberg 2012, S. 55. Link zur Bibliothek
Stafski, Heinz: Die Bildwerke in Stein, Holz, Ton und Elfenbein bis um 1450 (Die mittelalterlichen Bildwerke Bd. 1). Nürnberg 1965, S. 28, Abb. Nr. 9. Link zur Bibliothek
Hubel, Achim: Der Erminoldmeister und die deutsche Skulptur des 13. Jahrhunderts. In: Beiträge zur Geschichte des Bistums Regensburg, Bd. 8, 1974, S. 53--241, S. 227--229.
Germanisches Nationalmuseum Nürnberg. Führer durch die Sammlung. München 1977, S. 30, Nr. 56. Link zur Bibliothek
Kammel, Frank M.: Figur und Raum: Mittelalterliche Monumentalskulptur. In: Mittelalter. Kunst und Kultur von der Spätantike bis zum 15. Jahrhundert, Nürnberg 2007, S. 229--239, S. 230--232, Abb. 209. Link zur Bibliothek
Mittelalter. Kunst und Kultur von der Spätantike bis zum 15. Jahrhundert (Die Schausammlungen des Germanischen Nationalmuseums, Bd. 2). Nürnberg 2007, 230, 231, 418, Kat. 339, Abb. 209. Link zur Bibliothek
Hermann Stickroth: Die Straubinger Madonna im Germanischen Nationalmuseum und der Typus der Sitzmadonnen mit stehendem Kind. In: Jahresbericht des Historischen Vereins für Straubing und Umgebung 111 (2009), S. 83-128. Link zur Bibliothek
Jutta Zander-Seidel und Frank Matthias Kammel: Mittelalter. In: Germanisches Nationalmuseum. Führer durch die Sammlung. Nürnberg 2012, (S. 39-62), S. 55. Link zur Bibliothek