Titel
Christus an der Geisselsäule mit Ohnmacht Mariens
Allgemeine Bezeichnung
Relief aus Holz
Inventarnummer
Pl.O.2843
Sammlung
Skulptur bis 1800
Herstellungsort
Österreich; Steiermark ID: 7003028; Steiermark
Herstellungsdatum
Mitte 18. Jh.
Hersteller
Umkreis des Josef Stammel (?)
Josef Stammel (1695-1765); geboren 1695 in Graz, gestorben 1765 in Admont (Steiermark); Sohn eines Bildhauers; Lehre in Graz bei Johann Zeilinger und Johann Jakob Schoy; 1718 bis ca. 1725 Italienreise auf Kosten des Benediktinerstiftes Admont; ab 1726 gesicherte Arbeiten für das Stift und dessen Pfarreien (beispielgebender Bildhauer in Stein und Holz; für Benedektinerstift Admont bis zum Tode tätig, daher sind Arbeiten in der Mehrzahl sakralen Themen gewidmet; Hauptwerke sind der bühnenartig gestaltete Hochaltar in St. Martin bei Graz mit der bekannten Darstellung der drei Pferde (1738-1740) und die Ausstattung der Admonter Stiftsbibliothek, darunter die Statuen der "Vier letzten Dinge" (um 1760); Skulpturen zeigen Einfluß des römischen Hochbarock, auch der Graphik Dürers, umgewandelt in kraftvolle, oft volkstümliche Formensprache ohne Verbindung zur zeitgleichen Rokokoplastik)
Maße
H. 66 cm; B. 27 cm - Rahmenleiste: T. 5 cm; H. (ohne Leiste) 34, 6 cm; B. (ohne Leiste): 25,6 cm
Material und Technik
Tafel Linde (Tilia sp.) zwei in Längsrichtung stumpf verleimte Bretter, das linke bildet fast gesamte Breite, das rechte sehr schmal, (sehr dicker Ast im oberen Viertel des breiten Brettes, angeschnittene Fraßgänge holzzerstörender Insekten im schmalen Tafelstück deuten auf Verwendung befallenen Holzes hin); Treppenstufen Kiefer (Pinus sylvestris, Probe aus unterer Stufe); Ergänzungen Fichte (Picea sp., Ergänzung hinten rechts unten) und Linde (Tilia sp., Ergänzung hinten links unten) - zwei Teile der Treppenstufen sowie linker Arm des Engels vor Maria an Tafel geleimt und gedübelt; rechter Arm und rechtes Bein Christi sowie linker Arm des vorderen Engels à jour geschnitzt; Leim-Kreidegrundierung (Vorderseite), Inkarant Christi: hell mit hellroten Blutstropfen, Lendentuch Christi weiß mit blauen Ausmischungen, Kleid Marias an der Achsel semitransparent rot, am Bauch blau, Umhang Marias blau in gelblichem Bindemittel, Kopf- und Schultertuch Marias weiß mit blauen Ausmischungen, Inkarnat des mittleren Engels rosa mit rötlicher Untermalung, Flügel des linken Engels verschwärztes Blattsilber auf dunkelrotem Poliment, Geißelsäule hell rotbraun, Treppenstufen Rotbraun, Torbogen blau mit hellblaugrauer Untermalung, Himmel blaugrün
Beschreibung
Hochrelief. Unter einem sich nach hinten in einem Korbbogen öffnenden Gewölbe steht Christus, gebückt an die niedrige, auf einer zweistufigen Treppe stehende Geißelsäule gebunden. Christus ist im Profil nach rechts wiedergegeben. Die über Kreuz gefesselten Hände stützen sich auf den Säulenrand, der linke Fuß ist haltsuchend zurückgestellt. Christus gegenüber kniet mit abgewandtem Gesicht die in Ohnmacht sinkende Gottesmutter. Ihre Arme stützen zwei große, auf Wolken heranschwebende Engel. Vor Maria erscheint in den Wolken ein Putto. In einer Wolke unterhalb des Bogens schmiegen sich zwei geflügelte Puttenköpfchen mit trauerndem Gesichtsausdruck aneinander.
Literatur
Claudia Maué: Die Bildwerke des 17. und 18. Jahrhunderts im Germanischen Nationalmuseum, Tl. 2, Bayern, Österreich, Italien, Spanien. Mainz am Rhein 2005, S. 207-209 m. Abb. Kat. Nr. 191
MAUÉ (2005): 91. Jahresbericht des GNM (1946) S. 31, Abb. 6