Beschreibung
Glasvase, Glashütte Zwiesel, um 1960.
Die Vase gehört zur Serie Florida, zu der vier Vasen und zwei Kannen gehören.
Entwurf: Heinrich Löffelhardt (Heilbronn 1900-Stuttgart 1979).
Die Hotelbesitzerin Irmgard Müller, geb. Jakoby, Schwiegermutter von Ursula Liebich (GNM, Verwaltung) hat sich die Vase in den 1970er Jahren gekauft.
Eine umfängliche Vasengarnitur mit dem Titel „Florida“ (Abb. 5). Zu ihr gehören vier unterschiedlich große Exemplare, die ergänzt werden durch zwei verschieden große Kannenvasen. Die kleinste Vase aus dieser Serie mit einer Höhe von 11,8 cm erhielt die Design-Abteilung vor kurzem geschenkt (Inv. Des 1765, Abb. 6, 7). Der Fuß aller Gläser dieser Serie ist jeweils in Klarglas gestaltet und gibt in seiner Massigkeit dem Gefäß einen guten Stand. Der tiefblaue Hohlkörper darüber setzt kelchförmig an, zieht sich dann aber nach oben hin stark ein. In den blauen Glaskörper sind an einer Seite unterschiedlich große Luftblasen eingebracht, sodass sich der Eindruck eines wirbelnden Wasserstrudels an der Glaswandung ergibt. Dieser „Strudel“, der die Glasoberfläche scheinbar zufällig streift, fällt bei allen sechs Formen der Serie unterschiedlich aus, Gestaltung und Farbe lässt die Gläser aber dennoch zu einer Einheit werden. Mit solchen mundgeblasenen Gläsern wandte sich die Zwieselhütte neben ihrem Großbereich der Maschinengläser vor allem an Sammler und Glasliebhaber.
Entworfen hat diese:
Heinrich „Heinz“ Löffelhardt (* 24. Dezember 1901 in Heilbronn; † 22. Mai 1979 in Stuttgart) war ein deutscher Designer, der maßgebend das Industriedesign der 1950er und 1960er Jahre in Deutschland mitgeprägt hat. Seine Porzellan- und Glasentwürfe für Arzberg und Schott-Zwiesel werden bis heute hergestellt.
Nach dem Abitur 1920 ging Löffelhardt bei der Heilbronner Silberwarenfabrik Peter Bruckmann & Söhne in die Lehre. Der Seniorchef Peter Bruckmann ermöglichte Löffelhardt durch ein Stipendium, ab 1924 Bildhauerei bei Georg Kolbe in Berlin zu studieren. Nur wenige Porträtbüsten, die in den folgenden vier Jahren entstanden, sind in privaten Sammlungen erhalten geblieben. Der junge Bildhauer kehrte als freier Entwerfer zur Industrie zurück. Ab 1934 entwickelte Löffelhardt im Auftrag des Amtes „Schönheit der Arbeit“ Kantinengeschirre, die u. a. von Gebr. Bauscher und den Keramischen Werken Bohemia in Neurohlau gefertigt wurden.[1] 1937 lieferte Rosenthal das von Löffelhardt gestaltete Teeservice 700 „Schönheit der Arbeit“ an den Reichsarbeitsdienst.[2] Charakteristisch waren der zwiebelförmige, glatte Kannenkörper mit fingerbreitem Halsring, die geschweifte Röhrentülle und der Bandhenkel.[3] Die Rosenthal-Tochter Thomas brachte den Entwurf Barb in den Handel. Wilhelm Wagenfeld verpflichtete ihn 1937 als Mitarbeiter der Vereinigten Lausitzer Glaswerke in Weißwasser.
1941 wurde Löffelhardt zur Wehrmacht eingezogen und kehrte erst 1947 aus sowjetischer Gefangenschaft zurück. In der Wirtschaft boten sich wenig Aussichten, so dass er Wagenfeld nach Stuttgart folgte und 1949 im Referat für Formgebung des Landesgewerbeamtes tätig wurde. Dort bearbeitete er u. a. die Kataloge zu den Ausstellungen "Wie wohnen" (Stuttgart und Karlsruhe, 1949–50) und "Glas aus Württemberg-Baden" (Stuttgart, 1950), die bei Gerd Hatje erschienen. Nach Wagenfelds Ausscheiden 1950 wurde er dessen Nachfolger als Referatsleiter. Sein besonderes Verdienst war es, der heimischen Industrie nach Jahren der Isolation den Anschluss an internationale Standards zu erleichtern: Die von ihm verantworteten Ausstellungen und Publikationen würdigten besonders die Entwicklungen im Ausland. Dabei erwies sich Löffelhardt als Mann der Praxis, nicht als wortreicher Theoretiker.[4] Gleichzeitig entwarf er wieder für die Industrie. Für die Sicherer’sche Apotheke in Heilbronn entwarf er Standgefäße; die Gral-Glaswerkstätten Göppingen produzierten seine Stapelascher.
Ende 1952 wurde er künstlerischer Leiter der Porzellanfabriken Arzberg und Schönwald und damit verantwortlich für das gesamte Sortiment. Das Design beider Unternehmen war untrennbar mit dem Namen Hermann Gretsch verbunden. Seine „zeitlos moderne“ Linie sollte fortgeführt werden. Heinrich Löffelhardt entwickelte 1954/55 drei Modelle (Arzberg 1542, Arzberg 2000, Schönwald 411), die sich an Gretschs Vorkriegsentwürfen orientierten, aber deren Behäbigkeit[5] durch einen eleganten Schwung ersetzten. Insbesondere die preisgekrönten Formen Arzberg 2000 und Arzberg 2025 scheinen etwas vom Optimismus der Wirtschaftswunderjahre wiederzugeben.
Die Modelle Schönwald 511 und Arzberg 2050/2075 zeigen Kegelstumpf- und Zylinderformen, deren neuartige geometrische Strenge in den folgenden Jahren aber nicht zum Dogma wurde.
Ebenfalls 1960 kamen die Stapelschalen Arzberg 1100 auf den Markt, deren präzise, rechteckige Formen besondere technische Forderungen an die Produktionsabteilung stellten. Die Idee, mit nur wenigen – hier sechs – Teilen durch unterschiedliche Kombinationen eine Vielzahl von Einsatzmöglichkeiten zu schaffen, war neu und hat sich bis heute bewährt.
Bei seinem letzten Entwurf, Arzberg 2007 Residence, kehrte Löffelhardt 1969 zu organischen Formen zurück, unterstrichen durch eine leichte Kannelierung aller Teile.
Löffelhardt bestimmte über zwei Jahrzehnte das gesamte Erscheinungsbild der produzierten Geschirre und Geschenkartikel. Der Fotograf Willi Moegle hat viele Arbeiten Löffelhardts festgehalten.
Ab 1954 war Löffelhardt für die Formgebung des Jenaer Glaswerks Schott & Gen. in Mainz verantwortlich, einschließlich des Tochterunternehmens Vereinigte Farbenglaswerke Zwiesel. Er entwarf Kelchgläser, Flaschen und Vasen. Die Sintrax-Kaffeemaschine wurde funktional optimiert. Löffelhardts Teekanne wurde von der US-Zeitschrift Fortune 1977 zu den 25 besten Designleistungen der Gegenwart gezählt.
Bei Schott & Gen. hatte Löffelhardt Wilhelm Wagenfeld als Designer abgelöst; das brachte ein Zerwürfnis mit Wagenfeld mit sich. Die Ablösung Wagenfelds wird in der Literatur auf überhöhte Honorarforderungen zurückgeführt. Löffelhardt ersetzte Wagenfelds Entwürfe durch ein moderneres Programm, sowohl im Bereich des geblasenen Glases (Teegeschirr) wie des Pressglases (Backformen).