Titel
Turnierharnisch für das "Neue Welsche Gestech"
Allgemeine Bezeichnung
Harnisch
Inventarnummer
W3065
Sammlung
Wissenschftl. Instr.-Waffen-Pharmazie
Herstellungsort
Augsburg
Herstellungsdatum
um 1560/70
Hersteller
Plattner: Anton Pfeffenhauser
Material und Technik
Eisen - blank, geätzt, vergoldet, geschwärtzt, bemalt in Öllacktechnik, Messing - vergoldet
Standort
Dauerausstellung Waffen, Jagd, Gartenkultur
Beschreibung
Laut Karteikarte: Der Helm in Form eines Rennhutes mit Vorsteckbart hat einen großen, aufschlächtigen Stirnstulp. Die Helmglocke ist mit weichem Leder gefüttert. Die Brust mit ausgeprägtem Tapul trägt an der rechten Seite an Stelle des Turnierhakens einen nach oben sich verbreiternden Ansatz mit nach unten gerichteter Zahnung, am oberen Rand zwei starke Schrauben zur Befestigung des Bartes an der Brust und Tartsche. Die Achseln haben gleichmäßig gestaltete Vorder- und Hinterflüge. Die Oberarmröhren sind geschlossen, die Ellenbogenkacheln mit herzförmigen Muschelansätzen sind abgerundet, die Unterarmröhren sind mit Scharnier und Haken verschlossen. Die Handschuhe haben am Handrücken große Stulpen und sind vielfach geschoben. Die Beintaschen sind dreimal geschoben, ebenso die Oberdiechlinge. Die Unterarmdiechlinge bestehen aus einem Stück. Die Unterbeinröhren sind mit Scharnier und Haken verschlossen. Die Füße sind entenschnabelförmig. Die Tartsche ist durch einen Ausschnitt dem Hals angepasst und unten leicht vorwärts gekrümmt. Auf der Rückseite sitzt als Stütze ein starker Eisenstift. Zugehörig sind: Eine ganze Roßstirn mit Wappenschild und Federbuschhülse, eine halbe Roßstirn mit Wappenschild, eine gleiche ohne Wappenschild, drei Brechscheiben, eine Stechstange mit kleinem Knönlein, ein Sattel und der Hinterbug eines Sattels. Alle Teile sind mit breiten Ätzstreifen, in denen schwarz grundierte mit vergoldeten rhombenartigen, leicht s-förmigen, geschwungenen Feldern abwechseln, verziert. Auf den Flügen, Achseln, Mäuseln und dem Nackenstück des Helms ist großblättriger Rankenschmuck angebracht. Auf der Stechtartsche und den Roßstirnschilden ist das Wappen des Herzogs Friedrich Wilhelm I. von Sachsen-Weimar-Altenburg in Öllacktechnik aufgemalt. Die Federbuschhülsen sind mit Mauresken geätzt und vergoldet. Die mit Rollwerk verzierten Belederungsschnallen aus Messing sind vergoldet. Auf den Hauptteilen ist die Augsburger Beschaumarke eingeschlagen. Zum Erwerb des Turnierharnisches in den 1930er Jahren aus dem Besitz des Herzogs Ernst von Sachsen-Altenburg und auf Vermittlung des Markgraf-Konzerns (Jakob Oppenheim) hin sowie die Restitutionsvorgänge um 1960 vgl. die provenienzkritischen Ergebnisse des GNM-Forschungsprojekts „Systematische Provenienzforschung“ (2018).
Vermerk am Objekt
Marke: (Hauptteile, Augsburger Beschaumarke)

Literatur
Neuhaus, August: Ein Prunkturnierharnisch im Germanischen Nationalmuseum. Leipzig 1937. Link zur Bibliothek

Sie finden das Objekt in der Dauerausstellung mit der Nummer 12: Dauerausstellung Waffen, Jagd, Gartenkultur