Titel
Doppelkamm
Allgemeine Bezeichnung
Kamm aus Elfenbein
Inventarnummer
KG830
Sammlung
Kunsthandwerk I (bis 1500)
Herstellungsort
Byzantinisch;
Herstellungsdatum
9./ 10. Jh.
Maße
H. 12 cm; B. 10,5 cm; T. 0,9 cm
Material und Technik
Elfenbein, geschnitzt, schwärzlich verfärbt
Vitrinentext
Mit Elfenbeinkämmen wurden Bischöfen und Priestern nach dem Anlegen der liturgischen Gewänder das Haar geordnet. Erhaltene Kämme aus kirchlichem Besitz sind sowohl mit christlichen als auch mit profanen Motiven geschmückt. Oft sind sie mit Heiligen verbunden. Einer der beiden Kämme zeigt vorne zwei Pfauen, rückseitig zwei Greifen. Der andere bildet auf der Vorderseite ein Wagenrennen, hinten eine Kampfszene ab.

Beschreibung
Kämme mit doppelter Zahnreihe sind bereits seit der Antike bekannt. Am oberen, gerundetem Abschluß der zentralen Griffplatte sitzt eine Reihe feiner Zähne, von der geraden Basis ragt eine weitere Reihe deutlich gröberer Zähne nach unten. Zwei Pfosten rahmen den Kamm seitlich. Das Griffstück ist beidseitig in flachem Relief verziert: Auf der einen Seite trinken zwei Pfauen aus einem in der Mitte platzierten Kantharos. Die Gegenseite zeigt zwei Greifen mit kräftigen Löwenleibern, die symmetrisch eine ihrer Pranken gegeneinander erheben. Die Bildfelder sind gerahmt, seitlich schließt sich jeweils ein Flechtband an. -- Beide Motive können als christliche Symbole gedeutet werden, die Pfauen als ein Zeichen des Ewigen Lebens, der Greif als Christussymbol. Eine Verwendung als liturgischer Kamm, wie in der Literatur mitunter angesprochen, ist damit jedoch nicht bewiesen. Wenngleich die Vorlagen zu diesem Kamm sicher um einiges älter sind, legen die Fundumstände einer vergleichbaren Arbeit aus Korinth eine Datierung ins zehnte, möglicherweise neunte Jahrhundert nahe. Die charakteristischen Motive weisen in den byzantinischen Kulturkreis.
Literatur
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