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Titel
Neunteiliges Deckengemälde mit allegorischen und biblischen Szenen
Allgemeine Bezeichnung
Gemälde, Leinwandgemälde, Deckenbild
Inventarnummer
Gm1193
Sammlung
Gemälde bis 1800
Anzahl der Teile
9
Hersteller
Block, Isaak von dem (vor 1589-um 1626)
Herstellungsdatum
um 1611/14
Herstellungsort
Danzig
Standort
Dauerausstellung Renaissance, Barock, Aufklärung
Maße
Feld 1, Feld 3, Feld 7, Feld 9 (Ecken): H. ca .170 cm; B. ca. 84 cm (an den Schmalseiten abgerundet); Feld 2, Feld 8 (Stirnseiten): H. ca. 225 cm; B. ca. 185 cm; Feld 4, Feld 6 (analog): H. ca. 154 cm; B. ca. 84 cm; Feld 5 (Mitte): D. ca. 154 cm
Material und Technik
Öl auf Leinwand
Darstellung
Die Gemälde sind kunsthistorisch praktisch unbearbeitet. Hinsichtlich der Deutung der einzelnen überlieferten Szenen sind viele Fragen offen; hilfreich könnte sein: Ilja M. Veldman: Images of Labor and Diligence in sixteenth-century Netherlandish prints. The work ethic rooted in civic morality or Protestantism. In: Simiolus, Nethlands quarterly for the history of art 21, 1992, S. 227-264. Zur Deutung der Gemälde ist der Bestimmungsort Danzig wichtig. Der allgemeine Zeitgeschmack an emblematischen Bildprogrammen führte gerade in Danzig zu äußerster Spitzfindigkeit. (Bsp.: Das schriftliche Programm eines in 24 Bilder zerlegten Gerechtigkeitszyklus der Rathausdecke in Thorn, welches sich erhielt, während die Decke selbst verbrannte.) Zusammenfassend kann man mit Rainer Kahsnitz festhalten, dass "absonderliche, sonst nie gehörte Tugenden - meist Teilaspekte der Gerechtigkeit oder sonstiger staatserhaltender guter Eigenschaften -, deren Namen jeweils an der Decke erschienen, [...] jeweils in zwei Bildern exemplifiziert werden: in einer pictura, hieroglyphica, symbolica oder emblematica und in einer pictura historica, also in einem allgemein symbolischen Thema und einer mit diesem korrespondierenden weltlichen oder geistlichen Historie, im Sprachgebrauch der antiken und mittelalterlichen Rhetorik: durch eine imago und ein exemplum. Bei der Ausgeklügeltheit dieser Danziger Programme sind Deutungen fast unmöglich, wenn die zugehörigen Schrifttitel fehlen, wie das bei den Deckenbildern in Nürnberg der Fall ist, zumal nicht einmal sicher ist, wie die Bilder zusammengehören. Auch Kenntnisse über die ursprüngliche Zweckbestimmung des Raumes wären für die Entschlüsselung des Programms hilfreich" (R. Kahsnitz, 1984, S. 70).
Zustandsbeschreibung
siehe Andreas Tacke: Die Gemälde des 17. Jahrhunderts im Germanischen Nationalmuseum. Bestandskatalog. Mainz 1995, S. 46--47.
Beziehung zu anderen Objekten
; 1594/95 schuf Hans Vredeman de Vries (1527-1604/1623) die Decke für den Danziger Rathaussaal, die etwa ein Jahrzehnt später durch die Decke von Block ersetzt wurde (s. Hoburg: Geschichte und Beschreibung des Rathauses der Reichsstadt Danzig. Danzig 1857, S. 12 f. und S. 16). Vielleicht steht die entfernte Decke von de Vries im Zusammenhang mit Gm 1193. --- Anna Gosieniecka (1979) vergleicht die Nürnberger Decke mit der Ausstattung der anderen Rathausräume; die gleiche Rahmung der Decken im Danziger Rathaus und der des GNM mit dem bei beiden Decken gleichen, stark abstrahierenden Blattwerk spricht bei ihr für einen gemeinsamen Bestimmungsort.; Feld 1: Für die Figuren und einen Teil der dargestellten Attribute wurde das Blatt (Hollstein 207 - Tacke 1995, Abb. 22 - Rijksmuseum-Stichting Amsterdam) von Raphael Sadeler I. (1560-1628 oder 1632) benutzt. Das Blatt gehört einer Serie von vier allegorischen Darstellungen an (Hollstein 206-209), die auch die vier Lebensalter repräsentieren. Die Blätter sind betitelt mit: "AMOR", "LABOR, "HONOR" und "DOLOR". Die Vorzeichnungen stammen von Marten de Vos (1532-1603); zwei Blätter aus der Druckgraphik-Serie sind 1591 datiert. Übernommen sind von diesem Blatt die Hauptfiguren und die Anordnung der Attribute. Das Sadeler-Blatt ist mit "LABOR" betitelt. (Zum Sadeler-Blatt "HONOR" s. Feld 9.); Feld 2: Als Vorlage für das Innere der Kirche dient ein Blatt (Hollstein 75 - Tacke 1995, Abb. 24 - GNM Nürnberg, Graphische Sammlung, Inv.Nr. K 1328) von Jan van Londerseel (tätig Antwerpen 1570-um 1624 Rotterdam) nach einem Gemälde von Hendrick Aerts. Das Blatt, es soll die Laterankirche in Rom darstellen, erfreute sich großer Beliebtheit und fand Niederschlag in zahlreichen Gemälden (zusammengestellt von Schreiner, 1980); das Kircheninnere, seitenverkehrt, auch auf dem "Galeriebild" von Christian Wilhelm Ernst Dietrich (1712-1774), im GMN Gm 1293. (Zu Unterschieden zwischen der Druckgraphik und Feld 2 von Gm 1193 s. Tacke 1995); Feld 4: Eine schlafende Frauengestalt, ebenfalls auf einem Esel ruhend, ist auf einem Blatt von Hendrick Goltzius (1558-1617) Bartsch 91 zu sehen. Das Blatt ist bezeichnet mit "ACEDIA", was sinngemäß mit Trägheit, Faulheit zu übersetzen ist, und gehört zu einer Folge der sieben Laster.; Feld 8 (Salomon- oder David-Figur): Durch Zepter und Krone auf dem Turban ausgezeichnet - also Feld 8 des Gm1193 verwandt -, finden wir David in der großen Ratsstube des Danziger Rathauses dargestellt.; Feld 9: Die Komposition ist dem Blatt "HONOR" von Raphael Sadeler I. (Hollstein 209 - Tacke 1995, Abb. 32 - Rijksmuseum-Stichting Amsterdam) entnommen. Die Graphik gehört einer Serie von vier Blättern (Hollstein 206-209) mit allegorischen Darstellungen an, aus der ein weiteres Blatt für Feld 1 des Gm 1193 diente.;
Beschreibung
Das neunteilige Deckengemälde, das heute im GNM fest eingebaut ist, zeigt in drei Reihen von je drei Bildern Szenen, deren Interpretation, wenn eine Beschriftung fehlt, unklar ist. Die Mitte der neunteiligen Decke wird durch ein Tondo betont. Darüber und darunter ist in der Mittelachse je ein breites Hochformat angeordnet. Die vier Eckfelder sind hochrechteckige Formate mit oben und unten abgerundeten Stirnseiten. Die Felder links und rechts des runden Mittelbildes weisen längsrechteckige Formate auf. Ob die Anordnung die ursprüngliche ist, muss offenbleiben. - In der ersten Reihe von links nach rechts: Feld 1: In einem hochrechteckigen Format stehend Minerva hinter einer männlichen Personifikation der freien Künste in einer antikisierenden Rüstung mit Lorbeerkranz auf dem Haupt. Um beide angeordnet sind Buch, Palette mit Pinseln, Globus, Kelle, Hammer, Zirkel, Foliant, Schwert etc. Im Hintergrund ein Garten, in der Ferne Wasser mit Schiffen und auf einer Insel eine Stadt. Der Katalog des GNM von 1937 nennt zwei mögliche Bildtitel: "Archimedes (?)" und "Allegorie auf die Wissenschaft". - Feld 2: In einem breiten hochrechteckigen Bildfeld kniet in einer gotisierenden Kirche Salomon auf einem Kissen, die Arme weit ausgebreitet; rechts vor ihm die abgelegte Krone und das Zepter. Rechts oben auf der Inschrifttafel ein Bibelspruch. Auf der rechten Seite steht ein König (Salomon?) vor drei sitzenden Männern. Links sieht man durch Fenster ins Freie auf eine Szene, wie Moses die Gesetzestafeln erhält. Moses mit Gesetztafeln ist auch als Skulptur am Lettner dargestellt. Der Katalog des GNM von 1937 betitelt das Bild mit "Salomon betet im Tempel". - Feld 3: In einer Waldlandschaft überfallen zwei Männer einen dritten und schlagen ihn nieder. (Katalog GNM 1937: "Mordszene".) - Mittlere Reihe von links nach rechts: Feld 4: In einem querrechteckigen Format auf einer Treppe vor einem Haus ein schlafender Mann, an einen Esel sich anlehnend. Links davon ein Tisch, auf dem Ratten und Mäuse die Reste eines Mahles vertilgen. Über dem reich verzierten Türportal Inschrift. In der rechten Bildhälfte sind Erntearbeiten dargestellt: Korn wird geschnitten, gebunden und abtransportiert. Im Hintergrund ein Dorf. (Katalog GNM 1937: "Allegorie auf die Faulheit".) - Feld 5: In einem Tondo steht Christus zwischen den Jüngern (vielleicht ist links außen eine Porträtdarstellung). Links vorne sitzende Frauen, davon eine mit Kind. Im Hintergrund Architektur, belebt von zwei Pfauen, die auf einer Mauer sitzen. Im Mittelpunkt ein Mann in Narrenkleidung (schlafend oder nachdenkend). (Katalog GNM 1937: "Lasset die Kindlein zu mir kommen."; Mk 10, 13.) Vielleicht lässt sich die linke Bildseite als Untugend (Narr und Pfauen, letztere als Symbol der Eitelkeit) und die rechte Bildseite, mit Christus, als Tugend bezeichnen; die passende Textstelle wäre dann noch zu finden. In den vier Zwickeln des zu einem Quadrat erweiterten Formats vier Darstellungen weiblicher Personifikationen, welche durch Attribute ausgezeichnet sind: mit Füllhorn, betend mit aufgeschlagenem Buch, mit Palmenzweig und Krone sowie die vierte mit Schwert (Kat. 1937: Hammer). - Feld 6: In einem querrechteckigen Format eine tafelnde Gesellschaft in einem Innenraum. Am linken Kopfende des Tisches sitzt ein bärtiger alter Mann, der gestikulierend die Hände erhebt (freundlich oder abwehrend?). Anlaß ist ein hereintretender junger Mann. Dieser ist ärmlich - zum Teil zerrissen - gekleidet. Vielleicht wurde er von dem wilden Tier verfolgt, welches am linken Bildrand dargestellt ist. Im linken Hintergrund der Blick auf ein Haus etc. (Katalog GNM 1937: "Allegorie auf den Reichtum"; vielleicht handelt es sich aber auch um das Gleichnis vom armen und reichen Mann oder die Parabel vom verlorenen Sohn.) - Untere Reihe von links nach rechts: Feld 7: In einem hochrechteckigen Format ein bärtiger Mann mit turbanähnlicher Kopfbedeckung vor Bäumen. Vor ihm auf dem Boden Ameisen. (Katalog GNM 1937: "Allegorie des Fleißes.") - Feld 8: In einem breiten hochrechteckigen Bildfeld ein König; links eine Gruppe von Männern, davon einige bewaffnet Im Mittel- und Hintergrund eine dorfähnliche Ansammlung von Häusern. Vor einem Wirtshaus spielen einfache Leute mit Kegeln, Bauern sind beim Pflügen und Fischen. (Katalog GNM; 1937: "Salomons gutes Regime"; nicht ausgeschlossen werden darf die Möglichkeit, dass nicht Salomon, sondern David dargestellt ist.) - Feld 9: In einem hochrechteckigen Format an einem Tisch ein bärtiger alter Mann. Er unterbricht seine Arbeit - auf dem Tisch liegt ein Buch -, er hebt den Zeigefinger und blickt auf eine Frau. Diese ist mit einem Diadem geschmückt und bringt einen Kasten, vollgefüllt mit kostbaren Metallarbeiten, Schmuck etc., und wird von einem Pfau (?) begleitet. Am Boden liegen Hinweise auf die weltliche und kirchliche Macht: Krone, Zepter und Fürstenhut symbolisieren die profane Seite, Kardinals- und Bischofshut die kirchliche. Hinter der Szene erhebt sich eine Wand, die links einen Ausblick in eine Landschaft erlaubt, an der in einer Nische eine weibliche Figur mit Sichel und einem Ährenbündel steht. (Katalog GNM 1937: "Allegorie auf die Wissenschaft")
Vitrinentext
Wahrscheinlich schuf Block die Decke für einen Saal des Danziger Rathauses. Sie dokumentiert die Beliebtheit ausgeklügelter, emblematischer Bildprogramme in Danzig. Einige Szenen gehen auf druckgraphische Blätter niederländischer Meister zurück. Manche Bilder sind leicht zu entschlüsseln: Der Mann mit Zirkel auf einem der Rechteckfelder etwa personifiziert die freien Künste. Hinter ihm steht Minerva. Oft bleibt die Bedeutung aber im Dunkeln. Unklar ist auch, ob die heutige Zusammenstellung der Decke der originalen entspricht.
Nine-Part Ceiling Painting with Allegorical and Biblical Scenes. Oil on canvas. Block probably created this ceiling for a room in Danzig City Hall. It documents the popularity of ingenious emblematic iconographic programs in Danzig. Some scenes are based on prints executed by Dutch masters. Some depictions are easy to decipher: For example the man with the compass in one of the rectangular fields personifies the liberal arts. Behind him is Minerva. However, sometimes the meaning remains in the dark. Unclear, too, is whether the current composition of the ceiling corresponds to the original.
Nine-Part Ceiling Painting with Allegorical and Biblical Scenes. Oil on canvas. Block probably created this ceiling for a room in Danzig City Hall. It documents the popularity of ingenious emblematic iconographic programs in Danzig. Some scenes are based on prints executed by Dutch masters. Some depictions are easy to decipher: For example the man with the compass in one of the rectangular fields personifies the liberal arts. Behind him is Minerva. However, sometimes the meaning remains in the dark. Unclear, too, is whether the current composition of the ceiling corresponds to the original.
Literatur
Hoburg, K.: Geschichte und Beschreibung des Rathauses der Reichsstadt Danzig. Danzig 1857, S. 12--13 und S. 16.
Gosieniecka, Anna: Ze studiów nad malarstwem pomorskin cz. I. przelom XVI. i XVII. wieku w malarstwie gdanskim. In: Gdanskie studia muzealne, 1, 1979, S. 9--38. Link zur Bibliothek
Schreiner, Ludwig: Ein Gemälde von Hedrick Aerts, Die Phantasiekirche. In: Weltkunst, 50, 1980, S. 872--877, bes. Abb. 11 (Feld 2).
Kahsnitz, Rainer: Das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg und die Provinz Preußen. In: Preußen im 19. Jahrhundert. Vorträge von Hubert Heinelt, Slawomir Kalembka und Rainer Kahsnitz (Schriftenreihe Nordost-Archiv Bd. 24). Hrsg. von Udo Arnold. Lüneburg 1984, S. 34--104, bes. S. 68--70 und Anm. 119, Abb. 6 (Feld 2).
Veldman, Ilja M.: Images of Labor and Diligence in sixteenth-century Netherlandish prints. The work ethic rooted in civic morality or Protestantism. In: Simiolus, Nethlands quarterly for the history of art, 21, 1992, S. 227--264. Link zur Bibliothek
Tacke, Andreas: Die Gemälde des 17. Jahrhunderts im Germanischen Nationalmuseum. Bestandskatalog. Mainz 1995, Nr. 15, S. 46--56 mit Abb. und mit weiterer Literatur. Link zur Bibliothek
Renaissance. Barock. Aufklärung. Kunst und Kultur vom 16. bis zum 18. Jahrhundert. Hrsg. von Daniel Hess und Dagmar Hirschfelder. (Die Schausammlungen des Germanischen Nationalmuseums, Band 3) Nürnberg 2010, S. 439, Abb. 510 (Feld 2). Link zur Bibliothek
Jacek Tylicki/Jacek Zukowski (Hrsg.): Art of the Southern Netherlands, Gdansk, and the Polish-Litunanian Commonwealth. Gdansk 2017, S. 55, 62-63, 266, passim
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