Titel
Einer von zwei Altarflügeln mit dem Regensburger Hostienfrevel: Der Hostiendiebstahl
Allgemeine Bezeichnung
Gemälde, Altarflügel
Inventarnummer
Gm1806
Sammlung
Gemälde bis 1800
Anzahl der Teile
1
Herstellungsort
Regensburg
Herstellungsdatum
1476
Maße
H. 109,8 cm; B. 96,6 cm
H. 119 cm; B. 104,3 cm (mit Rahmen)
Material und Technik
Fichtenholz
Beschreibung
Das Bild stellt zusammen mit dem Gegenstück (Gm 1807) einen sog. Hostienfrevel oder eine Hostienschändung dar, wie er im Spätmittelalter häufiger überliefert ist. Es handelte sich dabei um ein schweres religiöses Vergehen: Die Entehrung der Hostie kam der Entehrung Christi gleich. Solche Freveltaten wurden vorallem der jüdischen Bevölkerung vorgeworfen und dienten als Anlass oder zur Rechtfertigung von Pogromen. Die beiden Gemälde zeigen einen für das Jahr 1476 in Regensburg überlieferten Hostienfrevel, der jedoch keinen antisemitischen Hintergrund hatte. Ein Dieb wirft die von ihm gestohlenen, geweihten Hostien aus einer silbernen Pyxis in den Keller eines Hauses. Die wiedergegebene Stadtansicht zeigt in freier Gestaltung die Örtlichkeit. Die Tafeln dürften die Flügel eines der drei Altäre der heute profanierten Kapelle gebildet haben, die zur Sühne am Ort der Tat erbaut wurde, nachdem der Dieb ergriffen und die Hostien feierlich eingeholt worden waren. Die erhaltenen Quellen sprechen lediglich von einem jungen Burschen als Dieb; ein Bezug zu einer jüdischen Freveltat wurde den Tafeln erst seit dem späten 19. Jahrhundert unterstellt. Dies ist insofern verständlich, als sich in Regensburg im späten 15. Jahrhundert eine starke Judenfeindlichkeit formierte, die im Jahr des Hostiendiebstahls in einem großen Ritualmordprozess gipfelte. Laut der historischen Quellen wurde der Regensburger Hostiendieb nicht mit dem Tod bestraft, sondern lediglich ausgepeitscht. Die an der Stelle seiner Freveltat errichtete Sühnekapelle S. Salvator wurde am 3. Novembner 1476 vom Regensburger Bischof Heinrich von Absberg geweiht. Die beiden Gemälde gehören zu den seltenen Resten, die sich von der Regensburger Malerei des I5. Jahrhunderts erhalten haben. Sie zeichnen sich durch Erzählfreude, Detailgenauigkeit und eine realistische Schilderung aus. -- Das Gemälde ist Bestandteil des Forschungsprojektes „Kunsthistorische und kunsttechnologische Erforschung der Gemälde im Germanischen Nationalmuseum“ (2013-2019). Nach Abschluss des Projektes werden die Objekt-Informationen im Onlinekatalog aktualisiert.
Literatur
Verzeichnis Campe 1847, Nr. 46, 47.
Janner 1886, S. 554-555.
Pohlig, C.Th.: Haukapellen und Geschlechterhäuser in Regensburg. In: Zeitschrift für bildende Kunst, N.F. 1, 1890, S. 97--99; Sonderabdruck: Regensburg 1890, S. 41--45.
Bauerreiss 1931, S.44.
Kunstdenkmäler 1933, S.50-52, 231. Link zur Bibliothek
Anzeige der Firma Scheidwimmer. In: Weltkunst, Jg. 54, 1974, Nr.5, S. 258--259.
Strieder 1975, S.149-152 mit Abb. Link zur Bibliothek
Weltkunst, Jg. 50, 1980, Nr.10, farb. Titelbild.
Schatzkammer der Deutschen. Aus den Sammlungen des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg. Nürnberg 1982, Abb. Link zur Bibliothek
Martin Luther und die Reformation in Deutschland. Ausstellung zum 500. Geburtstag Martin Luthers. Germanisches Nationalmuseum. Nürnberg 1983, Kat. 72 mit Abb. Link zur Bibliothek
Isolde Lübbeke, in: Angerer/Wanderwitz: Regensburg im Mittelalter. Bd. 1. Regensburg 1995, S. 429-444.
Germanisches Nationalmuseum. Führer durch die Sammlungen. Nürnberg 2001, S. 71. Link zur Bibliothek
Ausst. Kat. Furtmayr. Regensburg 2011, Nr. ..
Susie Nash: Late Medieval Panel Paintings. Materials - Methods - Meanings. Sam Fogg. London 2011, Nr. 5, S. 85--87. Link zur Bibliothek