Beschreibung
Stark abstrahierende Darstellung einer weiblichen en face gegebenen Halbfigur mit leicht nach links gewendetem Kopf mit gesenkten Augen vor hellgrau-bläulichem Hintergrund zentriert. Die Frau trägt ein sackartiges blau-grünes Kleid, das die gesamte Schulterpartie frei lässt. Mit überlängtem Hals, langen schwarz-braunen Haaren, die links über die Schulter fallen und über der Stirn kurze Fransen bilden erinnert die Darstellung an jenen Frauentypus, der damals durch Picassos Porträts der Sylvrette und Bernard Buffets Frauendarstellungen populär wurde. Mit ersteren teilt Fischers Bildnis die geometrische Vereinfachung der Körperformen, etwa die Reduktion der Schulterpartie zum Dreieck. Mit letzteren hat Fischer die dünnen schwarzen Striche gemeinsam, die sich zum Teil überschneidend, die Kontur der Dargestellten bezeichnen und ihr etwas eckig Fragiles geben. Gegenständlich meist nicht motiviert, sind solch schwarze Striche auch als Gliederungselemente in den Körperumriss der Figur eingezeichnet und greifen von dort aus auf den Hintergrund aus. So an der linken Schulter und rechts am Kopf. Nach dem Vorbild Buffets sind auch die Gesichtszüge, besonders die Augen, durch ein solch schwarzes Liniengespinst eingezeichnet. Ebenso geht das gräuliche Inkarnat auf die "Elendsmalerei" Buffets zurück. Das Bild scheint unter weitgehendem Verzicht auf den Pinsel zumeist mit dem Spachtelmesser gemalt, wobei ein pastoser Farbauftrag durch Abschaben gerade aufgetragener Farbe vermieden wird. Erzielt wird durch solches Abschaben eine reiche Struktur der Farboberfläche. Besonders der Hintergrund erhält so die haptischen Qualitäten einer steinernen Wandfläche. Man darf in dieser Technik einen Reflex auf damals tachistische Tendenzen der Malerei sehen. In der Rezeption ganz unterschiedlicher Vorbilder ein typisches Werk von Cuno Fischer aus jener Zeit, als er ein Buch über das Leben und die Kultur der Zigeuner plant, mit denen er seit 1953 als Mitglied einer südfranzösischen Zigeunersippe engste Kontakte unterhält. Bei den Dargestellten handelt es sich jedoch nicht um das von Fischer adoptierte Zigeunerkind Marianne Adam. Der Rahmen wohl von Fischer selbst farblich gestaltet.