Ein schlichtes Kleid?
Fast ohne Zier kommt dieses lachsfarbene Kleid aus hochwertigem Seidentaft aus. Durch die Reduktion der Ornamente wird das Wesentliche zur Schau gestellt. Es war passgenau für seine Trägerin geschneidert und umspielte schmeichelnd ihre Körperform. Nur die Brustpartie und die Ärmel liegen eng an, während der restliche Stoff frei fallen kann. Die Schleppe des Kleids macht deutlich, dass es sich um ein Festgewand handelt. Schließlich findet man am Rücken doch noch ein Zierelement: Die Reihe von seidenbezogenen…
Ein individuelles Bildnis
Das Bildnis des Grafen Georg von Löwenstein ist eines der frühesten erhaltenen Porträts eines deutschen Malers. In verblüffender Naturtreue erfasst es die individuellen Züge des greisen Klerikers. Die gealterte Haut, das schütter werdende Haar und die an der Schläfe hervortretende Ader wurden vom Maler genauestens beobachtet und mit feinem Pinselstrich wiedergegeben. Der so lebensnah dargestellte Georg von Löwenstein stammte aus einer fränkischen Adelsfamilie…
Ein ungewöhnlicher Fundort
Dieser kleine Silberbecher des ausgehenden 8. Jahrhunderts wurde 1928 bei Pettstadt in der Nähe von Bamberg aus der Regnitz ausgebaggert. Wie er in den Fluss kam, ist nicht geklärt. Das Stück ist aufwändig dekoriert. Vergoldete Ornamentstreifen liegen kreisförmig um den oberen Rand sowie die Standfläche des Bechers. Vier senkrechte Streifen verbinden die beiden Kreise. Ihr Dekor besteht aus verschlungenem pflanzlichen Flechtwerk, vermutlich Weinranken, in die stilisierte Tiere eingeflochten sind. Mit bloßem Auge sind diese stark…
„Mutter und Kind“
Das Doppelvirginal zählt zu den sogenannten Kielklavieren. Wie bei Cembalo und Spinett werden die Saiten durch Federkiele gezupft. Die Besonderheit dieses Virginals besteht darin, dass es zwei eigenständige Instrumente in sich vereint. Die niederländische Bezeichnung „De Moeder met het Kind“ wurde im Deutschen als „Mutter und Kind“ übernommen. Das Hauptinstrument hat rechts unten eine Aussparung mit einer Klappe, in die das kleine Instrument passgenau hineingeschoben werden kann. Sinnbildlich ist es darin wie das Kind im Bauch ein……
Sicher verwahrt
Der hausförmige Schrein enthielt einmal die wichtigsten Reliquien – das „Heil(ig)tum“ – des Reiches. Als Teil des Kronschatzes untermauerten sie die Macht deutscher Herrscher, die ihnen nach damaliger Vorstellung durch göttliche Gnade zukam. Zusammen mit den anderen Reichsinsignien – unter anderem Krone, Reichsapfel, Zepter und Schwert – waren sie 1424 von König Sigismund der freien Reichsstadt Nürnberg zur dauerhaften Aufbewahrung übergeben worden. Im böhmischen Kerngebiet seiner Herrschaft wüteten in der ersten Hälfte des 15…
Ein einzigartiger Fund
Auf diesen römischen Paradehelm aus der Zeit zwischen 175 und 250 nach Christi Geburt stieß man 1974 bei einem Wettpflügen in Theilenhofen im Kreis Weißenburg-Gunzenhausen in Mittelfranken. Es war ein einzigartiger Fund: Zuvor kannte man Helme dieser Art nur durch Darstellungen und Fragmente, und nun war erstmals ein vollständig rekonstruierbares Exemplar aufgetaucht. Der Helm wurde auf dem Areal des zum Kastell Iciniacum gehörenden Lagerdorfes gefunden..
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Praktisch und komfortabel
Der zweiteilige Frauenturnanzug ist ein frühes Beispiel von Kleidung, die speziell für den Sport entworfen wurde. Dabei standen funktionale Gesichtspunkte im Vordergrund. Der Anzug sollte der Trägerin Bewegungsfreiheit bieten und sie dennoch angemessen kleiden, Luft zur Kühlung durchlassen und waschbar sein. Die beiden letzten Ziele erreichte man, indem man Baumwollstoff verwendete. Jedoch ist der Anzug keineswegs ohne Zier: Die weißen Linien, Paspelierung genannt, waren bereits aus der Bademode vertraut. Unter dem Kragen…
Ein Jahrhundertfund
Der Goldhut entstand vor ungefähr 3000 Jahren, in der späten Bronzezeit. Er kam 1953 im Wald bei den Ortschaften Ezelsdorf und Buch beim Roden von Baumstümpfen ans Tageslicht, wurde dabei jedoch in viele kleine Einzelteile zerhackt. Nachdem der sensationelle Rang des Fundes vom Germanischen Nationalmuseum erkannt worden war, konnten die Fragmente einer aufwändigen Restaurierung im Römisch-Germanischen Zentralmuseum in Mainz zusammengefügt werden. Ursprünglich hatte der Hut wohl auch eine breite Krempe, von der jedoch nur ein klei……
Erst der Einband, dann das Buch
Der Prunkeinband entstand mehrere Jahrzehnte bevor das dazu gehörige Buch überhaupt geschaffen wurde. Gestiftet hatten ihn Kaiserin Theophanu und ihr minderjähriger Sohn Otto in die Abtei Echternach bei Trier. Hier entstand um 1030 auch die Handschrift dafür, der berühmte Codex Aureus. Das „goldene Buch“ ist eine Evangelienschrift, deren Bezeichnung wörtlich zu verstehen ist: Die Mönche der Abtei Echternach schrieben sie mit Goldtinte auf purpurfarbene Seiten. Das reich bebilderte…