Die Kunst der Minne
Eine Gartenlandschaft wird zur Spielwiese einer ausgelassenen, in Gruppen arrangierten Hofgesellschaft. Dass das bunte Treiben einen erotischen Hintergrund hat, lässt schon ihre Aufmachung erkennen: Die figurbetont-modische Kleidung der jungen Männer ist ebenso aufreizend wie die tiefen Kleiderdekolletés der Hofdamen. Ihre Spiele folgen den Gesetzen der Minne. Darunter versteht man das an den Höfen des Hochmittelalters zur Kunstform entwickelte Liebeswerben um eine…
Alles begann mit Aufseß …
Hans von und zu Aufseß war der Gründer und bis 1862 der erste Direktor des Germanischen Nationalmuseums. Als Nachkomme eines reichsritterlichen Geschlechts, widmete er sich bereits während seines Jura-Studiums mit großer Leidenschaft historischen Forschungen und verwaltete die Familiengüter. Seine umfangreiche Privatsammlung aus Kunst- und Altertumsschätzen sowie Büchern, Handschriften und Archivalien bildete den Grundstock für das Museum, welches heute mit mehr als 1,4 Millionen Objekten das größte…
Was ist eine Votivgabe?
Der Begriff Votiv leitet sich vom lateinischen „votum“ ab, was für Gelübde, Versprechen; Wunsch oder Verlangen steht. Votivgaben von Gläubigen finden sich noch heute in Wallfahrtskirchen. In der Geschichte gehen sie auf kultische Opfergaben zurück. Im Mittelalter bezeugen sie den Schutz durch einen Heiligen. Votive wurden aus unterschiedlichen Materialien hergestellt, darunter Ton, Bronze, Eisen oder Holz, vor allem aber Wachs.
…
Versteckte Funktion
Der Tafelaufsatz aus vergoldetem Silber entstand 1503 oder kurz vorher. Er ist eines der größten und frühesten erhaltenen Tafelschiffe. Nimmt man das Deck ab, so offenbart sich der leere Schiffsbauch. Darin haben zwei Liter Getränk Platz. Das Prunkstück ist extrem detailreich, verdeutlicht symbolisch den gesellschaftlichen Status seines Besitzers und erfüllt außerdem praktische Zwecke. Der Versuch, all diesen Ansprüchen gleichzeitig zu genügen, ist typisch für Meisterwerke der Goldschmiedekunst um 1500.…
Papagei und Königin
Der reich bemalte dreibeinige Klapptisch aus den Niederlanden, dort als „flap-aan-de-wand“ bezeichnet, hat eine zwölfeckige Tischplatte. Ein auf einem Kirschbaum sitzender Papagei im Blumenkranz schmückt die Oberseite. Auf der Unterseite ist die alttestamentarische Szene des Besuchs der Königin von Saba bei König Salomo gemalt. Lehnte der Tisch zusammengeklappt an der Wand, sah der Betrachter die biblische Darstellung. Als Vorlagen dafür dienten Handwerkern Bilderbibeln. Möbel mit alttestamentarischen Szenen waren typisch für di……
Die Zeit in der Tasche
Dosenuhren wie diese machten im Mittelalter zum ersten Mal die Uhrzeit immer und überall verfügbar. Zuvor bestimmten große Turmuhren an Kirchen und Rathäusern den Takt des öffentlichen Lebens. Grundlage dafür war eine der bahnbrechendsten Innovationen des Mittelalters, die Erfindung der mechanischen Räderuhr. Welche Auswirkungen diese Erfindung auf alle Bereiche des Lebens hatte und wie sie unser Zeitverständnis bis heute prägt, verrät die DigitalStory …
Erst der Einband, dann das Buch
Der Prunkeinband entstand mehrere Jahrzehnte bevor das dazu gehörige Buch überhaupt geschaffen wurde. Gestiftet hatten ihn Kaiserin Theophanu und ihr minderjähriger Sohn Otto in die Abtei Echternach bei Trier. Hier entstand um 1030 auch die Handschrift dafür, der berühmte Codex Aureus. Das „goldene Buch“ ist eine Evangelienschrift, deren Bezeichnung wörtlich zu verstehen ist: Die Mönche der Abtei Echternach schrieben sie mit Goldtinte auf purpurfarbene Seiten. Das reich bebilderte…
Gezielte Provokation
Man kann sich vorstellen, wie schockierend eine solche Zeichnung vor mehr als 100 Jahren wirkte. Zwar waren unbekleidete Frauen in der Kunst der damaligen Zeit nichts Ungewöhnliches. Meist waren sie aber in allegorischen Rollen und klassischen Posen in eine Bildhandlung eingebunden. Die so unverhüllt erotische Darstellung einer Frau jenseits des klassischen Schönheitsideals war dem Publikum bis dahin fremd.
Der österreichische Maler Egon Schiele…