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Objekt / Inventarnr.: Gm1087

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Maria und Elisabeth, Gefangennahme Christi (Außenseite) aus der Frauenkirche, Nürnberg (Gemälde, Altarbild)

Inventarnummer: Gm1087
Kunstsammlungen der Stadt Nürnberg
Hersteller: Meister des Nürnberger Marienaltars
Datierung: um 1400/1410
Ort: Nürnberg
Material/Technik: Malerei und Metallauflagen auf Fichtenholz oder Lärchenholz
Maße: 94,4 × 138,9–139,5 × ca. 1,5 cm
Marke/Inschrift: Sichin mu(e)ter ihesus tu(e)t mier [Sieh hin, Mutter, Jesus tut mir]
Sammlung: Malerei bis 1800 und Glasmalerei
Beschreibung:
Zusammengehörig mit Gm 113 (Grabtragung der Maria), Gm 113a (Geißelung Christi), Gm 114 (Bethlehemitischer Kindermord), Gm 2321_1 (Kopf der Maria), Gm 2321_2 (Kopf des Verkündigungsengels): Sechs Flügelfragmente des Hochaltarretabels der Frauenkirche, Nürnberg. Die Flügel zeigen auf den Außenseiten Szenen aus der Passion Christi, auf den Innenseiten vor feierlichem Goldgrund Ereignisse aus dem Leben Mariens. Die Grundlagen seines Stils verdankt der Meister böhmischer Malerei, deren Einfluss auf Nürnberg seit der zweiten Hälfte des Jahrhunderts wirksam wurde. Von dort leitet sich die plastische Rundung der Formen sowie das weiche Spiel von Licht und Schatten her. Ähnliche Darstellungen der häuslichen Arbeit erscheinen auch in der zeitgenössischen, aus Nürnberg herzuleitenden Glasmalerei im Ulmer Münster. Der Streit um die Breipfanne und der Hilferuf des Johannes: "sich in muter ihesus tut mier", sind einzigartige Zeugnisse für die augenzwinkernde Verarbeitung von Motiven des Alltags. Die ungewöhnlichen Marienszenen der Festtagseite sind durch die spezifischen Festgewohnheiten und den Reliquienschatz der Frauenkirche bestimmt. Laut Beschreibung von 1442 besaß die Kirche ein Haupt der Kinder des Bethlehemischen Kindermordes sowie den goldenen Gürtel Mariens (vgl. Szene mit Maria und Elisabeth), den Kaiser Karl IV. der Kirche geschenkt hatte. Unter den Marienreliquien befanden sich ausserdem Überreste von Mariens "gespünn" sowie "ein stucklein eins portleins", das Maria selber gewirkt habe. Die Passionsszenen auf den Außenseiten der Flügel des großen Marienaltars erscheinen vor blauem Grund. Die sich folgenden Ereignisse um die Gefangennahme Christi sind als gleichzeitig ablaufend auf einen einzigen Augenblick konzentriert: Judaskuss, kurze Gegenwehr des Petrus, Heilung des Ohres des Malchus, Flucht der Jünger und Wegführung des Gefangenen mit einem Strick um den Hals. Die Nachtszene wird wie üblich durch eine brennende Fackel angedeutet. Im Gegensatz zu den eleganten, weichen Figuren der goldgrundigen Innenseite dominieren in den Passionsszenen der Außenseiten gedrungene Gestalten mit schweren, breiten Köpfen.
Beschriftung:
Maria und Elisabeth: Die Tafeln sind Teile eines monumentalen Flügelaltars. Die Feiertagsseite zeigte Marienszenen. Maria und Elisabeth sitzen bei häuslicher Arbeit. Motivische Anklänge bietet ein Fenster im Ulmer Münster, geschaffen um 1395/1400 von Nürnberger Glasmalern. Einzigartig und rätselhaft ist der Streit von Christus und Johannes um die Breipfanne. Szene und zugehörige Inschrift verweisen wohl auf die Menschwerdung und Taufe Christi. Gefangennahme Christi: Die Szene schildert Episoden der Gefangennahme. Im Zentrum stehen Judaskuss und Heilung des Malchus. Ihm hatte Petrus das Ohr abgetrennt. Links hinten flieht ein Jünger, von dem die Soldaten nur den Mantel ergreifen. Wie in damaligen Passionsspielen wird die Szene dramatisch inszeniert. Der auf Christus einschlagende Soldat blickt direkt zum Betrachter und bezieht ihn als Zeugen in das Geschehen ein.
Mary and Elizabeth: The panels come from a monumental winged altar. The feast-day side shows scenes from the Life of the Virgin. Mary and Elisabeth are doing domestic work. Similar motifs can be seen in a window of Ulm Minster created by Nuremberg glass-painters about 1395/1400. Unique and puzzling is the struggle between the Infants Christ and John for the small pan. The scene and the related inscription probably refer to the Incarnation and Baptism of Christ. The Capture of Christ: The scene links individual episodes of the Capture of Christ within a crowded composition. The focal point is the Kiss of Judas and the Healing of Malchus. Peter had cut off his ear. At the back left a disciple flees, with the soldiers clutching only his cloak. As in Passion Plays of that time the night scene is highly dramatized. The soldier striking Christ looks directly at the viewer, who is drawn into the events quasi as a witness.
WissKI Perma-Link:
Gm1087 im Projekt Deutsche Tafelmalerei des Spätmittelalters
Literatur:
Siehe Gm 113 — Daniel Hess, Dagmar Hirschfelder, Katja von Baum (Hrsg.): Die Gemälde des Spätmittelalters im Germanischen Nationalmuseum, Band I: Franken, 2 Teilbände. Regensburg 2019, Kat.-Nr. 5.
 
 
3.3.130726