Der lange Ton
Die Bassposaune von Isaac Ehe aus dem Jahr 1612 beeindruckt in vielerlei Hinsicht, zunächst durch ihre schiere Größe. Würde man das vollständig verbaute Rohr ausrollen, hätte es eine Länge von über 4,20 m. Um die Tonhöhe bei einer Posaune zu regulieren, verändert man die Rohrlänge beim Spielen, indem man zwei U-förmige Rohrteile am uMehr

Der lange Ton
Die Bassposaune von Isaac Ehe aus dem Jahr 1612 beeindruckt in vielerlei Hinsicht, zunächst durch ihre schiere Größe. Würde man das vollständig verbaute Rohr ausrollen, hätte es eine Länge von über 4,20 m. Um die Tonhöhe bei einer Posaune zu regulieren, verändert man die Rohrlänge beim Spielen, indem man zwei U-förmige Rohrteile am unteren Ende gegeneinander verschiebt. Spielt man die tiefsten Töne einer Bassposaune, muss der Zug so weit hinausgeschoben werden, dass der durchschnittliche Arm eines Menschen fast zu kurz ist. Dafür weist dieses Instrument eine Hilfe auf: Die sogenannte „Handhabe“ ist eine kleine Verlängerung, die mit einem Elfenbeingriff verziert ist.

Musikalisches Kunsthandwerk
Das mittelalterliche Nürnberg hat eine lange Tradition der Blechblasinstrumentenbauer. Zwischenzeitlich waren in der freien Reichsstadt solch hoch spezialisierte Kunsthandwerker tätig, dass sogar der Papst dort Instrumente für den Vatikan bestellte. Doch auch in Nürnberg selbst spielte Musik eine bedeutende Rolle; so unterhielt die Stadt schon seit Ende des 14. Jahrhunderts ein eigenes Stadtpfeifer-Ensemble. Neben Holzblasinstrumenten wie Pommer und Zink durfte dabei eine Posaune nicht fehlen. Einige Stadtpfeifer waren selbst bedeutende Instrumentenbauer – zu ihnen gehörte auch Isaac Ehe.

Musik für den Frieden
Stadtpfeifer spielten bei offiziellen Anlässen, öffentlichen Kundgebungen und in der Kirche. Durch die besondere politische Situation der freien Reichsstadt Nürnberg waren der Rat der Stadt und die Patrizier eng verbunden: In den Zwischenräumen der Inschrift auf dem Schallkranz „MACHT ICH ISAC EHE NVR MBE 1612“ [=Nuremberg] sind die Wappen von sieben Nürnberger Patriziergeschlechtern eingraviert: Volckamer, Harsdörfer, Tetzel, Haller von Hallerstein, Starck, Nützel und Prünsterer. Die reichen Verzierungen und die Wappen sprechen dafür, dass das Instrument für den Rat der freien Reichsstadt Nürnberg gefertigt wurde. Mit großer Wahrscheinlichkeit erklang die Posaune auch beim Nürnberger Friedensmahl 1649, als im Rathaus internationale Diplomaten das Ende des Dreißigjährigen Krieges und damit den Anfang des Europäischen Friedens feierten.
 

Weniger
Allgemeine Bezeichnung
Bassposaune in Es (?)
Inventarnummer
MI168
Sammlung
Musikinstrumente
Herstellungsort
Nürnberg / Deutschland
Herstellungsdatum
1612
Hersteller
Ehe, Isaac (Hersteller)
Maße
Länge Rohr ohne Mundstück:422,5 cm
Stürzenöffnung:12,4 cm
Mundstück -Innendurchmesser am Rand:2,54 cm
Mundstück - Außendurchmesser am Rand:3,72 cm
Mundstück - Kesseltiefe:1,75 cm
Mundstück - Durchmesser Schafteingang:0,62 cm
Mundstück - Gesamtlänge:9,52 cm
Klassifikation
Bassposaune
bass trombone
423.22
Zugtrompeten Polsterzungeninstrumente mit Zügen
Chromatische Trompeten Chromatische Polsterzungeninstrumente
Trompeten Polsterzungeninstrumente
(Eigentliche) Blasinstrumente
Aerophone
Beschreibung
Beschreibung siehe Lit.
Vermerk am Objekt
MACHT ICH ISAC EHE NVR MBE 1612 (De, Herstellersignatur, Stürzenkranz)

Literatur
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Sachs, Curt: Handbuch der Instrumentenkunde. Leipzig, 1920, 2. Aufl., Leipzig, 1930, Abb. 126.
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