Titel
Die Kniende / Geneigter Frauenkopf
Allgemeine Bezeichnung
Skulptur
Inventarnummer
Pl.O.3473
Sammlung
Kunst u. Kunsthandwerk 19.-21.Jh.
Herstellungsdatum
1911
Hersteller
Lehmbruck, Wilhelm (Bildhauer) AKL
Maße
H. 44 cm; B. 41 cm; T. 22 cm
Material und Technik
Ton, leicht gebrannt, dumpfer Klang
Vitrinentext
Lehmbruck studierte 1901 bis 1906 an der Düsseldorfer Kunstakademie und zählte danach zum Kreis der „Vereinigung Düsseldorfer Künstler“ sowie der „Société Nationale des Beaux-Arts in Paris“, an deren Jahresausstellungen im Grand Palais er ab 1907 teilnahm. 1910 zog er ganz an die Seine. Er lebte bis zum Ersten Weltkrieg in Paris, das ein Sammelpunkt fortschrittlicher künstlerischer Kräfte war.

An der Seine entstand 1911 die Figur „Kniende“. Der Dichter Theodor Däubler bezeichnete sie als das „Vorwort zum Expressionismus in der Skulptur“. Lehmbruck stellte sie im Pariser Herbstsalon 1911 aus und wurde mit ihr in Avantgardekreisen bald weltweit bekannt. 1912 zeigte er sie auf der berühmten Kölner „Sonderbundausstellung“. Sie war hier im Raum mit Arbeiten des als Vater des Expressionismus geltenden van Gogh zu sehen. Im folgenden Jahr konnte man sie in der New Yorker International Exhibition of Modern Art in Nachbarschaft von Werken Maillols und Brancusis bewundern.

Vom Modell der Knienden edierte Lehmbruck eine Büste, die er selbst als ein sehr „besonderes Werk“ einschätzte. Sie war mit der Ganzfigur bereits 1911 im Pariser Salon D’Automne unter dem Titel „Buste de jeune fille“ ausgestellt.

Bei dem Stück im Germanischen Nationalmuseum handelt es sich um eine der sechs zu Lebzeit des Künstlers entstandenen Terracotta-Ausformungen. Gegenüber postumen Ausformungen – die glatter und „auffallend perfekter“ wirken (Schubert) – zeichnen sie sich durch sensitive Lebendigkeit in der Oberflächenwirkung aus und haben durch unterschiedliche Farbtöne und Patinas eine jeweils individuelle Note.

Literatur
Schubert, Dietrich: Wilhelm Lehmbruck. Catalogue raisonné der Skulpturen 1898-1919. Worms 2001, S. 244 unter A. Alte Terracotten, Nr. 3, Abb. 251. Link zur Bibliothek
Vermerk am Objekt
Inschrift: W. LEHMBRUCK (Rückseitig unten rechts)