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Titel
Bildnis eines Juristen, Johann Stephan Reuss (gest. 1514), Rektor der Wiener Universität
Allgemeine Bezeichnung
Gemälde, Porträt
Inventarnummer
Gm207
Sammlung
Gemälde bis 1800
Anzahl der Teile
1
Hersteller
Cranach, Lucas, d. Ä. GND
Herstellungsdatum
1503
Herstellungsort
Wien
Standort
Dauerausstellung Renaissance, Barock, Aufklärung
Maße
H. 54,1 cm; B. 39 cm
Material und Technik
Malerei auf Fichtenholz (Picea sp.)
Darstellung
Das gemalte Buch ist als "Liber Quartus" ausgewiesen und in zwei Spalten geschrieben oder gesetzt, die Seite CCI (rechts) aufgeschlagen. Man darf davon ausgehen, daß ein juristisches Standardwerk gemeint ist. In Frage kommen Justinians Corpus juris civilis oder Gratians Decretum, deren Text in den bei Anton Koberger in Nürnberg 1486 und 1493 gedruckten Ausgaben zwar zweispaltig gesetzt, aber auf den Seiten jeweils vom Kommentar umgeben ist ("Kommentarsatz") und am oberen Bildrand weder Kolummnentitel noch Paginierung aufweist.
Zustandsbeschreibung
siehe Anna Bartl. In: Kurt Löcher: Die Gemälde des 16. Jahrhunderts. Germanisches Nationalmuseum Nürnberg. Stuttgart 1997, S. 123.
Beziehung zu anderen Objekten
Pendant; Zum Bildnis des Juristen gehört das seiner Ehefrau: Bayersdorfer u. W. Schmidt erkannten dieselbe Hand, Friedländer (1905) die Zusammengehörigkeit als Gegenstücke mit einem Frauenbildnis, das 1923 aus der Slg. Fürst Schwarzburg-Rudolstadt, Schloß Heidecksburg, Rudolstadt, für die Berliner Gemäldegalerie (Gal.Nr. 1907. Friedländer u. Rosenberg 1979, Nr. 9 u. Abb.) erworben wurde. Beide Gemälde bildeten zusammen vermutlich ein Diptychon aus durch Scharniere verbundenen, gegeneinander beweglichen und verschließbaren Flügeln. (Zum Ehestand und der Indentifizierung des Dargestellten s. Ikonographie.); weitere Arbeiten Cranachs; Gm 207 ging wohl Cranachs ebenfalls in Wien gemaltes, an emblematischen und kosmologischen Anspielungen reicheres Bildnispaar des fränkischen Humanisten und Wiener Universitätsgelehrten Johannes Cuspian und seiner ihm eben angetrauten Ehefrau Anna Putsch unmittelbar voraus. (Winterthur, Slg. Oskar Reinhart "am Römerholz"; vgl. Kat. Slg. Oskar Reinhart am Römerholz, Winterthur, 1970, Nr. 36 mit Farbtf. - Koepplin 1973. - Friedländer u. Rosenberg 1979, Nr. 6, 7 u. Abb.) -- Einblicke in das Wiener Umfeld der Bildnisse Cranachs geben Deckfarbkopien im Porträtbuch des Hieronymus Beck, um 1570/89 (Wien, Kunsthistorisches Museum). Sie halten Persönlichkeiten des städtischen Wiener Lebens fest. Einige der Kopien könnten auf Originalwerke Cranachs zurückgehen.; Vergleiche mit Dürer; Die Gesamtanlage von Gm 207 ist dem Bildnis eines bartlosen jungen Mannes (Anton Neubauer) im Besitz der Hessischen Hausstiftung vergleichen. Dieses wird noch heute zuweilen Albrecht Dürer zugeschrieben. (Vgl. Buchner 1953, S. 146, Nr. 167, Abb. 168. - Achilles-Syndram 1994, S. 210, Nr. 248 mit Lit., Abb. 2.); zur Zuschreibung an Cranach vgl. Ausst.Kat. Cranach der Ältere. Städel Museum Frankfurt/Main, Ostfildern 2007, Nr. 9. -- Für die verästelten Bäume des Juristenbildnisses wurden Dürers Holzschnitte herangezogen (z.B. Voss 1907).;
Beschreibung
Vielleicht Johann Stephan Reuss, Rektor der Wiener Universität. Brustbild nach rechts. Er trägt einen granatapfelgemusterten, roten, pelzgefütterten und -verbrämten Rock, den Chaperon und eine rote Kappe. Er hat blaue Augen und braunes Haar. Am Rock und am Ärmel des Untergewandes Goldknöpfe. Die mit insgesamt fünf Ringen geschmückten Hände ruhen in den Seiten eines aufgeschlagenen Buches. Dieses liegt auf einer marmorierten Brüstung. Hinter dem Dargestellten ein abgestorbener Baum und eine blühende Baumgruppe. Auf einem der kahlen Äste ein Vogel, auf den zwei andere Vögel zufliegen. Landschaftshintergrund mit Gehöft, Burg und Hochgebirge. Auf dem Weg Lasten tragende Fußgänger und ein Reiter.
Vitrinentext
Cranach gilt als Erfinder des Porträts in der Landschaft. Der akademisch gekleidete Gelehrte erscheint in lebendiger Korrespondenz mit der Natur. Die Naturelemente haben symbolische Bedeutung. Sie verweisen auf Leben und Tod und die Gelehrsamkeit des Juristen.
Portrait of a Legal Scholar, probably Stephan Reuss, Rector of the University of Vienna. Painting on spruce. The portrait set against a landscape is an invention of Cranach's. The scholar, academically clothed, appears to be in correspondence with Nature. The natural elements have symbolic meaning. They embody life and death and make reference to academic erudition.
Portrait of a Legal Scholar, probably Stephan Reuss, Rector of the University of Vienna. Painting on spruce. The portrait set against a landscape is an invention of Cranach's. The scholar, academically clothed, appears to be in correspondence with Nature. The natural elements have symbolic meaning. They embody life and death and make reference to academic erudition.
Literatur
Schmid, Heinrich Alfred: Kunsthistorisches: zu Julius Groeschel. In: Kunstchronik, N. F. Jg. 3, Nr. 32, 1892, S.118.
Essenwein, August von: Katalog der im germanischen Museum befindlichen Gemälde. Nürnberg 1882, Nr. 252. Link zur Bibliothek
Rieffel, Franz: Kleine kunstwissenschaftliche Controversfragen. In: Repertorium für Kunstwissenschaft, Bd. 18, 1895, S. 425. Link zur Bibliothek
Rieffel, Franz: Grünewald-Studien. In: Zeitschrift für Christliche Kunst, Jg. 10, 1897, S. 170. Link zur Bibliothek
Deutsche Kunst-Ausstellung. Abteilung Cranach-Ausstellung (bearb. v. Karl Woermann). Königliche Gemäldegalerie. Dresden 1898, Nr. 148. Link zur Bibliothek
Woermann, Karl: Die Cranach-Ausstellung (Dresden 1899) und die Pseudogrünewald-Frage. In: Kunstchronik, N.F. Jg. 10, Nr. 10, 1898/99, Sp. 153.
Schmidt, Wilhelm: Zur Cranachausstellung. In: Kunstchronik N.F. Jg. 11, Nr. 10,1899/ 1900, Sp. 146.
Flechsig, Eduard: Cranachstudien, Bd. 1. Leipzig 1900, S. 72 ff., 284/92.
Flechsig Tafelbilder 1900, Taf.1 und Erläuterung. Link zur Bibliothek
Schmidt, Wilhelm: Bücherschau. Eduard Flechsig: Cranachstudien. In: Kunstchronik N.F. Jg. 12, Nr. 7, 1900/01, Sp. 101.
Dörnhöffer, Friedrich: Ein Jugendwerk Lukas Cranachs. In: Jahrbuch der K.K. Zentralkommission für Erforschung und Erhaltung der kunst- und historischen Denkmale, 1904, S. 175--198. Link zur Bibliothek
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Benesch, Otto: Zu Cranachs Anfängen. (Selbstberichtigung). In: Belvedere, Bd. 14, 1929, S. 144.
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Löcher, Kurt: Die Gemälde des 16. Jahrhunderts. Germanisches Nationalmuseum Nürnberg. Stuttgart 1997, S. 123--126 (mit Abb.) mit älterer Literatur. Link zur Bibliothek
Heiser, Sabine: Das Frühwerk Lucas Cranachs des Älteren. Wien um 1500 - Dresden um 1900. Neue Forschungen zur deutschen Kunst, Bd. 6, Berlin 2002, S. 30--32, S. 123--136. Link zur Bibliothek
Germanisches Nationalmuseum. Führer durch die Sammlungen. Nürnberg 2001, S. 111. Link zur Bibliothek
Faszination Meisterwerk. Dürer, Rembrandt, Riemenschneider. Ausst.Kat. des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg. Nürnberg 2004, S. 124--125. Link zur Bibliothek
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Heydenreich, Gunnar: Lucas Cranach the Elder. Painting materials, techniques and workshop practice. Amsterdam 2007, S. 189, 196, 213--214. Link zur Bibliothek
Renaissance. Barock. Aufklärung. Kunst und Kultur vom 16. bis zum 18. Jahrhundert. Hrsg. von Daniel Hess und Dagmar Hirschfelder. (Die Schausammlungen des Germanischen Nationalmuseums, Band 3) Nürnberg 2010, S. 53, 414, Abb. 20. Link zur Bibliothek
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