Funktion und Formvollendung
Sowohl die Höhe als auch der Neigungswinkel der Platte sind bei diesem Ständerschreibtisch aus der Mitte des 18. Jahrhunderts verstellbar. Deswegen kann man ihn als Vorläufer unserer heutigen ergonomischen Stehpulte bezeichnen. Unter der Schreibfläche befindet sich ein Kasten mit zwei Schubladen, in dem man Zubehör ablegen kann. Der gedrechselte Standfuß ist schmal und lässt viel Beinfreiheit. Aber mindestens genauso wichtig wie die komfortable Nutzung war…
Ein Jahrhundertfund
Der Goldhut entstand vor ungefähr 3000 Jahren, in der späten Bronzezeit. Er kam 1953 im Wald bei den Ortschaften Ezelsdorf und Buch beim Roden von Baumstümpfen ans Tageslicht, wurde dabei jedoch in viele kleine Einzelteile zerhackt. Nachdem der sensationelle Rang des Fundes vom Germanischen Nationalmuseum erkannt worden war, konnten die Fragmente einer aufwändigen Restaurierung im Römisch-Germanischen Zentralmuseum in Mainz zusammengefügt werden. Ursprünglich hatte der Hut wohl auch eine breite Krempe, von der jedoch nur ein klei……
Nachziehen und Reiten
Das ungefähr 300 Jahre alte Räderpferd ist 76cm hoch und damit groß genug, dass ein Kind darauf platznehmen konnte. Die Bodenplatte hat mehrere Löcher, von denen das vorderste zum Festbinden einer Schnur diente. Das Pferd ist damit gleichzeitig ein Reit- und ein Nachziehspielzeug. Seine Proportionen unterscheiden sich stark von der Natur – die stämmigen Beine stehen in Kontrast zum zierlichen Kopf. Das Zaumzeug und die Mähne sind mit eingeritztem Dekor verziert: Neben Zacken und Fischgräten findet man links und rec……
Ein Gewerbe stellt sich vor
Die Klapptafel gehörte den Nürnberger Fassmachern. Im Streiflicht erkennt man eine untere Malschicht mit der Jahreszahl 1568. Das Objekt wurde über längere Zeit benutzt und mindestens zweimal umgearbeitet. Auf der linken Außenseite der Klapptafel steht eine Inschrift, die sich auf die Abnehmer und den Nutzen von Fässern bezieht. Rechts wird die Handwerksherberge beschrieben: als Anlaufstelle für wandernde Gesellen, als Versammlungsort des Handwerks, sowie als Informationszentrum für…
Spitzweg: der Scheinheilige
Ein Mönch vor einer Kirche betet neben einer Mutter mit ihrem Kind – so der Anschein. Der zweite Blick offenbart die entblößte Schulter der Frau. Das weiße Hemd und das Licht betonen ihre nackte Haut. Carl Spitzweg war ein Meister der Anspielung und Doppeldeutigkeit. Verbirgt sich hinter der scheinbar idyllischen und harmonischen Szene also eine Kritik an der Doppelmoral der Kirche und ihrer Vertreter? Das gotische Gotteshaus ist nur mehr eine schöne und schmückende Ruine in einer romantisch…
Der Wunsch nach ewigem Leben
Ursprünglich war die Skulptur, die heute aufrechtstehend präsentiert wird, als liegende Grabfigur entworfen worden. Die überlebensgroße Darstellung des Grafen Heinrich III. von Sayn zierte die Deckelplatte seines Hochgrabs in der Prämonstratenserabtei Sayn. Die Abtei war von seinen Vorfahren gestiftet worden und liegt am Fuß des Familienstammsitzes nahe Koblenz. Der 1247 verstorbene war einer der mächtigsten Herrscher am Mittel- und Niederrhein. Ihm unterstanden mehrere Grafschaften und…
Schmuck der Völkerwanderungszeit
Die Adlerfibel ist ein Teil des Schatzes von Domagnano in der Republik San Marino, der 1893 gefunden wurde. Sie entstand um 500 n. Chr. und zählt zu den bedeutendsten Funden der Völkerwanderungszeit. Sie besteht aus Gold, welches in Zellentechnik verarbeitet wurde. In die Zellen sind vorwiegend dünn geschliffene Plättchen aus Almandin, einer Granatart, eingelegt. In einigen der Zellen ist noch eine vergoldete Silberfolie erhalten, die den transparenten Edelstein zum Leuchten bringen sollte. Von insgesamt 21 Schmuckteilen aus dem Schat……
Unter Bauern
Philipp Bauknecht lebte ab 1910 in Davos, wo er auf Linderung seiner Tuberkulose-Erkrankung hoffte. Die Höhenluft galt damals als einziges Heilmittel für die Infektionskrankheit, die sich in den dicht bevölkerten Städten leicht verbreiten konnte. Ab 1920 wohnte Bauknecht in bäuerlichem Umfeld am Rand von Davos Dorf. In seinen Kunstwerken kann man erkennen, dass ihn seine eigene Situation bedrückte. Auf dem Gemälde Holzhauer im Wald schälen Männer die Rinde von einem Baumstamm. Ihre Körper sind grob…
(Über-)natürliche Schönheit
Das Stängelglas von 1896 erscheint so fragil und einzigartig wie eine echte Blüte. Es wurde in der Manufaktur der Tiffany Glass and Decorating Company in New York City produziert. Auf einer gewölbten Fußplatte steht ein dünner Stängel, der sich nach oben erweitert und in einen Blütenkelch übergeht. In den Bauch des Glases ist ein pfauenfederförmiger Farbverlauf eingearbeitet. Der geschwungene Blütenrand hat fünf Auswölbungen und ist mit oberflächlichen Rissen, sogenannten Craquelés, verziert. Das mundgeblase…