Schmuck der Völkerwanderungszeit
Die Adlerfibel ist ein Teil des Schatzes von Domagnano in der Republik San Marino, der 1893 gefunden wurde. Sie entstand um 500 n. Chr. und zählt zu den bedeutendsten Funden der Völkerwanderungszeit. Sie besteht aus Gold, welches in Zellentechnik verarbeitet wurde. In die Zellen sind vorwiegend dünn geschliffene Plättchen aus Almandin, eiMehr

Schmuck der Völkerwanderungszeit
Die Adlerfibel ist ein Teil des Schatzes von Domagnano in der Republik San Marino, der 1893 gefunden wurde. Sie entstand um 500 n. Chr. und zählt zu den bedeutendsten Funden der Völkerwanderungszeit. Sie besteht aus Gold, welches in Zellentechnik verarbeitet wurde. In die Zellen sind vorwiegend dünn geschliffene Plättchen aus Almandin, einer Granatart, eingelegt. In einigen der Zellen ist noch eine vergoldete Silberfolie erhalten, die den transparenten Edelstein zum Leuchten bringen sollte. Von insgesamt 21 Schmuckteilen aus dem Schatzfund gelangten acht in das Germanische Nationalmuseum – die Adlerfibel, ein Ohrring, fünf Anhänger eines Halskolliers und eine kleine zikadenförmige Fibel. Die anderen Stücke sind in mehreren öffentlichen und privaten Sammlungen, darunter das British Museum und der Louvre Abu Dhabi.

Die Mode der Ostgoten
Eine Fibel ist eine Art Brosche, mit deren Nadel man einen Umhang verschließen kann. Zur Adlerfibel gab es ein Gegenstück. Die beiden wurden mit einer Kette verbunden und dienten als edler Mantelverschluss. Die Besitzerin des kostbaren Schmuckes war eine Ostgotin aus dem Kreis um König Theoderich, welcher das Vorbild für Dietrich von Bern in der mittelalterlichen Heldendichtung war. Sein Regierungssitz war Ravenna, das nur ca. 70km von Domagnano entfernt liegt. Die Ostgoten waren ein germanischer Stamm, der das Weströmische Reich einnahm und von 493 bis 552 beherrschte. Für die ostgotische Oberschicht war vor allem die Mode des byzantinischen Hofes vorbildhaft.

Kultureller Austausch
Der Schmuck von Domagnano spiegelt den intensiven kulturellen Austausch in der Völkerwanderungszeit wider. Die einzelnen Schmuckstücke lassen gotische, römische und byzantinische Einflüsse erkennen. Ein anschauliches Beispiel ist die Adlerfibel. Der Adler war einerseits Zeichen der römischen Staatsmacht, andererseits steht er in der christlichen Symbolik für die Auferstehung der Seele und für das Bekenntnis zum christlichen Glauben. Auf der Brust trägt er ein Kreuz. Die Trägerin dieses Schmuckstücks gab sich also öffentlich als Christin zu erkennen. Die Ostgoten praktizierten eine Art des Christentums, die man Arianismus nennt. Die arianische Lehre bestritt die Wesensgleichheit von Gott, Sohn und Heiligem Geist.
 

Weniger
Allgemeine Bezeichnung
Adlerfibel
Inventarnummer
FG1608
Sammlung
Archäologie
Herstellungsdatum
Völkerwanderungszeit
Fundort
Domagnano, San Marino
bei Cesena, Domagnano, Romagna, Norditalien
Maße
L. 12,0 cm; B. 5,9 cm
Material und Technik
Gold, Silber, Bronze, Almandin, Lapislazuli, Elfenbein, Kitt
Standort
Dauerausstellung Ur- und Frühgeschichte
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Beschreibung
Goldene, zellverzierte Adlerfibel mit nach rechts gewandtem Kopf. L. 12,0; Br. 5,9 cm; H. am Brustschild (ohne Nadel) 1,6 cm, sonst 0,6 cm. Auf massiv goldenem Rückenblech kastenförmig aufgelötete Goldblechfassung (H. 0,5 cm; Dm 0,08 cm) mit 246 Zellen aus geradlinigem, gewelltem und rundelförmigem Stegwerk. In der Mitte konvexes Brustschild mit im Zellwerk einbeschriebenem Kreuz in aufgesetzter, runder Fassung (H. 0,35 cm). In den Zellen hellrote Almadinplättchen mit Fazettrandschliff auf gewaffelter, silbervergoldeter Folie über Kittfüllung. An den Flügelspitzen je eine Zelle mit Lapislazuli eingelegt, an der Schwanzspitze außen und in den kleinen Rechteckzellen der Mittelachse eingepaßte Elfenbeinplättchen. Von den ursprünglich 246 Einlagen noch 187 vorhanden. Vergoldete Silberfolie noch in 5 Zellen erhalten (Reste der Kittfüllung wurden bei der Restaurierung entfernt). Rückseite plan mit konkav getriebenem Mittelteil. Goldene Spiralhalterbacken und Nadelhalterhülse mit Befestigungsring auf das Grundblech aufgelötet. Federnadelkonstruktion aus Bronzedraht, Spiralachse ergänzt. Goldgewicht der Fibel rein netto (22 Karat) 128,44 g.
Literatur
V. Bierbrauer, Die ostgotischen Funde von Domagnano, Rep. San Marino. Germania 51, 1973, 499ff. - W. Mengin, Gotische und langobardische Funde aus Italien. Die vor- und frühgeschichtlichen Altertümer im Germanischen Nationalmuseum 2 (Nürnberg 1983) 21f. Nr. 1 Taf. 1. - M. Nawroth, Der Fund von Domagnano, Republik San Marino. Einflüsse der byzantinischen Hoftracht auf Schmuck und Kleidung der Goten. Anzeiger des Germanischen Nationalmuseums 2000, 89ff. - T. Springer, Frühgeschichte. Archäologische Funde von den Römern bis zum Mittelalter im Germanischen Nationalmuseum. Wissenschaftliche Beibände zum Anzeiger des Germanischen Nationalmuseums 37 (Nürnberg 2014) 91ff.; 213.

Sie finden das Objekt in der Dauerausstellung mit der Nummer 9: Dauerausstellung Ur- und Frühgeschichte

Schatz v. Domagnano
The Domagnano treasure
Schatz von Domagnano
Domagnano Treasure