Alles begann mit Aufseß …
Hans von und zu Aufseß war der Gründer und bis 1862 der erste Direktor des Germanischen Nationalmuseums. Als Nachkomme eines reichsritterlichen Geschlechts, widmete er sich bereits während seines Jura-Studiums mit großer Leidenschaft historischen Forschungen und verwaltete die Familiengüter. Seine umfangreiche Privatsammlung aus Kunst- und Altertumsschätzen sowie Büchern, Handschriften und Archivalien bildete den Grundstock für das Museum, welches heute mit mehr als 1,4 Millionen Objekten das größte…
Spitzweg: der Scheinheilige
Ein Mönch vor einer Kirche betet neben einer Mutter mit ihrem Kind – so der Anschein. Der zweite Blick offenbart die entblößte Schulter der Frau. Das weiße Hemd und das Licht betonen ihre nackte Haut. Carl Spitzweg war ein Meister der Anspielung und Doppeldeutigkeit. Verbirgt sich hinter der scheinbar idyllischen und harmonischen Szene also eine Kritik an der Doppelmoral der Kirche und ihrer Vertreter? Das gotische Gotteshaus ist nur mehr eine schöne und schmückende Ruine in einer romantisch…
Freigeist Heine
Denkmäler sind mit Öffentlichkeit und kollektiver Erinnerung untrennbar verbunden. Nationen, Länder oder Städte stellen ihre Helden und Heldinnen auf einen Sockel, um damit an eine Person, ihr Handeln und Wirken auf und für die Gemeinschaft zu erinnern. Mit dieser kleinformatigen Figur des Dichters Heinrich Heine greift Theodor von Gosen auf eine Tradition zurück, Persönlichkeiten aus Kunst, Wissenschaft oder Philosophie als Sitzfiguren zu porträtieren. Mit der Feder in der Hand wirkt die kleine Bronze wie eine…
Papagei und Königin
Der reich bemalte dreibeinige Klapptisch aus den Niederlanden, dort als „flap-aan-de-wand“ bezeichnet, hat eine zwölfeckige Tischplatte. Ein auf einem Kirschbaum sitzender Papagei im Blumenkranz schmückt die Oberseite. Auf der Unterseite ist die alttestamentarische Szene des Besuchs der Königin von Saba bei König Salomo gemalt. Lehnte der Tisch zusammengeklappt an der Wand, sah der Betrachter die biblische Darstellung. Als Vorlagen dafür dienten Handwerkern Bilderbibeln. Möbel mit alttestamentarischen Szenen waren typisch für di……
Auf das Wesentliche reduziert
Vollkommen auf das Wesentliche reduziert gibt Konrad Witz die Erzählung aus dem Lukasevangelium wieder: Der Erzengel Gabriel überrascht Maria mit der Botschaft, dass sie schwanger werden und Gottes Sohn zur Welt bringen wird (Lk 1, 26–38). Der Maler hat die Szene in einen kargen Raum verlegt. Kein Mobiliar, kein schmückendes Beiwerk lenken den Blick von den monumentalen Figuren ab. Als müsse er die Wahrhaftigkeit des Geschehens betonen, hält der Maler stattdessen kleinste…
Luxus aus Augsburg
Das ungewöhnlich große Service besteht aus 53 Teilen und umfasst Toilettengarnitur, Schreibzeug und Frühstücksgeschirr – kurzum alles, was eine Dame aus bestem Hause um 1700 im Laufe des Tages benötigte. Gemeinsam ist allen Teilen die besonders kostbare und fragile Verbindung von Achatelementen und vergoldetem Silber. Alles konnte platzsparend in dem eleganten Koffer aus rotem Leder verstaut oder transportiert werden. Allerdings spricht der gute Erhaltungszustand vieler solcher Service dafür, dass sie…
Lebkuchen, Honig und Wein
Zu diesem Pokal aus dem Jahr 1683 gehört ein weitgehend identischer Zwilling. Die zwei Trinkgefäße bestehen aus teilweise vergoldetem Silber mit Resten einer Bemalung und sehen aus wie Bienenkörbe. Der kuppelförmige Deckel ist abnehmbar. Die Pokale besitzen je einen runden Fuß mit Blumendekor. Den unteren Teil des Schafts bildet ein bärtiger Mann, der in seiner rechten Hand einen Lebkuchen hält. Mit der Linken stützt er ein großes Schild mit dem…
Schritt für Schritt
In der Barockzeit gehörte neben Fechten und Reiten auch der Tanz zur Bildung der gehobenen Schichten. Der Tanzlehrer bzw. Tanzmeister gab Takt und auch Ton auf der Geige an, um die korrekten Schrittfolgen und Bewegungen zu unterrichten. Wollte er die Hände frei haben, um beispielsweise die typischen grazilen Armbewegungen vorzuführen, konnte er die kleine Geige einfach in seine Rocktasche stecken. In Frankreich wurden diese Instrumente deshalb „Pochette“ genannt: Täschchen.
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Fingerübungen
Studienblätter wie dieses waren nie für das große Publikum bestimmt. Es waren Übungen, Überlegungen auf dem Papier, mit denen sich Caspar David Friedrich seinem Motiv annäherte. Auf diesem Blatt zeichnete er Stämme und Wurzeln von Buchen in verschiedenen Variationen. Er probte die Wirkung einzelner Striche und Schraffuren und arbeitete mit lasierenden Schichten von Wasserfarbe Licht- und Schatteneffekte heraus. Farbmuster am Rand zeigen, wie er verschiedene Mischungen aus warmen Grau- und…