Ein intensiver Blick
Alexej von Jawlensky malte das Bild „Kopf in Schwarz und Grün“ vermutlich im Jahr 1913. Die Datierung vermerkte er jedoch erst nachträglich. Ein länglicher Kopf mit großen Augen füllt die gesamte Bildhöhe aus. Das schematische Gesicht ist in Blaugrün-, Rosa und Rottönen gehalten, der Hintergrund ist dunkelblau und schwarz. Stellenweise schaut die braune Malpappe hervor. Durch kräftige Umrisslinien verlieh Jawlensky den Gesichtszügen eine Intensität, die an urzeitliche Bilder oder christlich-orthodoxe Ikonen erinnert.
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Ideale Reisebegleiter
Sonnenuhren verwendete man bereits in der Antike zur Zeitmessung. Für gewöhnlich sind sie fest an einem Ort installiert, da ihr Ziffernblatt jeweils nur für einen bestimmten Breitengrad ausgelegt ist. Im 15. Jahrhundert wurde die mobile Klappsonnenuhr erfunden. Obwohl es zu der Zeit bereits mechanische Räderuhren gab, waren diese Taschen-Sonnenuhren ihnen in mancher Hinsicht überlegen: Sie waren klein, leicht und nicht so störanfällig wie die durch Räderwerke betriebenen Uhren. Daher waren Klappsonnenuhren besonde…
Ein vollständiges Set
Die beiden Jakobsmuscheln verraten, wofür dieser Reitermantel benutzt wurde: Es handelt sich um den wasserabweisenden Überwurf eines Pilgers. Er bildet ein Set zusammen mit einem Wollfilzmantel (T550), einem Hut (T552), einem Pilgerstab (T554) und einem Rosenkranz (KG303). All diese…
Ein Gewerbe stellt sich vor
Die Klapptafel gehörte den Nürnberger Fassmachern. Im Streiflicht erkennt man eine untere Malschicht mit der Jahreszahl 1568. Das Objekt wurde über längere Zeit benutzt und mindestens zweimal umgearbeitet. Auf der linken Außenseite der Klapptafel steht eine Inschrift, die sich auf die Abnehmer und den Nutzen von Fässern bezieht. Rechts wird die Handwerksherberge beschrieben: als Anlaufstelle für wandernde Gesellen, als Versammlungsort des Handwerks, sowie als Informationszentrum für…
Ein besonderes Geschenk
Wie viele Rüstungen in der Sammlung des GNM war dieser Plattenharnisch für das Turnier bestimmt. Er gehörte zu einer Serie von sechs gleichartigen Harnischen mit Zusatzstücken für verschiedene Disziplinen. In Auftrag gegeben hat ihn die sächsische Kurfürstin Sophie als Geschenk für ihren Ehemann, Christian I. von Sachsen. Der turnierbegeisterte Kurfürst hatte in seiner Dresdner Residenz eigens einen Platz für Reiterspiele bauen lassen, der 1591 fertiggestellt wurde. Zu Weihnachten jenes Jahres sollte…
Auf das Wesentliche reduziert
Vollkommen auf das Wesentliche reduziert gibt Konrad Witz die Erzählung aus dem Lukasevangelium wieder: Der Erzengel Gabriel überrascht Maria mit der Botschaft, dass sie schwanger werden und Gottes Sohn zur Welt bringen wird (Lk 1, 26–38). Der Maler hat die Szene in einen kargen Raum verlegt. Kein Mobiliar, kein schmückendes Beiwerk lenken den Blick von den monumentalen Figuren ab. Als müsse er die Wahrhaftigkeit des Geschehens betonen, hält der Maler stattdessen kleinste…
Ein ungewöhnlicher Fundort
Dieser kleine Silberbecher des ausgehenden 8. Jahrhunderts wurde 1928 bei Pettstadt in der Nähe von Bamberg aus der Regnitz ausgebaggert. Wie er in den Fluss kam, ist nicht geklärt. Das Stück ist aufwändig dekoriert. Vergoldete Ornamentstreifen liegen kreisförmig um den oberen Rand sowie die Standfläche des Bechers. Vier senkrechte Streifen verbinden die beiden Kreise. Ihr Dekor besteht aus verschlungenem pflanzlichen Flechtwerk, vermutlich Weinranken, in die stilisierte Tiere eingeflochten sind. Mit bloßem Auge sind diese stark…
Es klingelt und funkelt
Jedesmal, wenn die Trägerin dieser Goldhaube den Kopf wandte, ertönte ein zartes Klingeln, und die Flindern glänzten und funkelten. Flindern sind kleine Metallplättchen, ähnlich den heutigen Pailletten. Die Basis dieses Kopfschmucks bildet eine geknüpfte Seidenhaube, die mit einem Leinenpolster in Form gebracht ist. Aus der Oberfläche ragen unzählige, mit Seidenfäden umwundene Drahtstifte heraus, in die die vergoldeten Kupferplättchen eingehängt sind. Sie waren dadurch beweglich und erzielten so die…
Vom Machen der Schachteln
Unter Schachteln verstand man bis weit ins 19. Jahrhundert hinein ausschließlich solche massenweise produzierten Behältnisse aus Holzspänen. Hergestellt wurden sie in Regionen mit reichem Nadelbaumbestand wie dem Thüringer Wald, Böhmen und Oberbayern, wo Berchtesgaden ein Zentrum des Schachtelmacherhandwerks war.
Ein schmales, dünnes Holzbrett wurde zunächst lange in Wasser eingeweicht. Der Span ließ sich danach biegen und um einen hölzernen Formstock legen. Anschließend entfer…